Ägypten dreht den Gashahn zu

Während wir hier fleißig versuchen, das Buch zu promoten, gibt es Neues aus Ägypten. Mir gefällt das natürlich nur bedingt. Warum? Heute fragte mich ein Kollege bei meinem Besuch beim Berliner Tagesspiegel, ob ich nicht Angst hätte, dass „Koulou Tamam, Ägypten?“ bald überholt sein könne. In der Tat drängt sich diese Frage förmlich auf. Andererseits ist ja alles, über was ich in diesem Buch berichte, passiert, und das Buch ist damit natürlich auch zu einer Chronik der Ereignisse im Jahr nach dem Ausbruch der Revolution in Ägypten geworden. Dass Ägypten nun Israel den Gashahn abdreht, konnte ich natürlich im Februar und März noch nicht ahnen. Oder vielleicht doch?

Die Ägypter haben sich nie richtig mit dem Friedensvertrag von Camp David anfreunden können. Für den Großteil von ihnen gilt Anwar al Sadat sogar als Verräter, der die ägyptischen Interessen an Israel verkauft habe. Wirtschaftlich haben beide Länder sicher von dem Vertrag profitiert. Doch genau das wird – zumindest beim Gasgeschäft mit Israel – derzeit angezweifelt. Der ungeliebte Nachbar habe das Gas viel zu billig bekommen. Der ägyptische Partner sei bestochen worden und überhaupt sei das ganze Geschäft ja doch wieder über den Mubarak-Clan gelaufen. Das etwa entspricht der Darstellung in den deutschen Medien. Soweit, so gut – oder auch wieder nicht gut.

Auch hier scheint mir die Berichterstattung wieder verdammt lückenhaft. Es ist eben nicht so einfach, dass dieser Lieferstopp und diese Vertragskündigung einfach nur eine politische Laune der Natur war, populistisch allemal, weil der Ägypter an sich den Friedenvertrag mit Israel nicht mehr will.

Ägypten gehört im Nahen Osten nun nicht unbedigt zu den großen Produzenten von Öl und Gas, verglichen mit Libyen, dem Irak oder gar Saudi Arabien. Eine Folge der Revolution war unter anderem, dass eben der Gaspreis drastisch gestiegen ist. Im Wahlkampf wurden unter anderem von den Moslembrüdern Tausende von Gasflaschen in den Armenvierteln Kairos verteilt, weil sich diese Armen das dringend benötigte Gas zum Kochen einfach nicht mehr leisten konnten.

Seit Tagen (oder Wochen?) lese ich immer wieder von meinen Freunden in Hurghada, dass der Versuch zu tanken entweder vergeblich oder mit stundenlangem Warten verbunden ist. Mir scheint es so, dass in Ägypten die Energie derzeit einfach knapp wird. Inwieweit das mit privilegierten Gaslieferverträgen an Israel zusammenhängt, mag ich nicht beurteilen. Aber wenn streikende Arbeiter in Ras Gharib die Küstenstraße blockieren, dann liegt die Schlussfolgerung nahe, dass in der Zeit auf den Öl- und Gasfeldern nicht gearbeitet wird, also dass auch nichts verladen oder transportiert wird. Das alleine wird allerdings auch nicht der Grund sein.

Wie dem auch immer sei. Da wird im Moment ein lautes Getöse gemacht, ja sogar mit den Säbeln gerasselt um einen Tatbestand, der doch eigentlich völlig offensichtlich ist: In Ägypten ist die Versorgungslage derzeit so schlecht, dass das Land sein Gas schlicht und einfach selbst braucht. Aber das zuzugeben fällt eben auch nicht so leicht.

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