{"id":792,"date":"2015-01-16T16:47:23","date_gmt":"2015-01-16T15:47:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=792"},"modified":"2024-12-17T14:45:57","modified_gmt":"2024-12-17T13:45:57","slug":"definition-einer-beleidigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2015\/01\/16\/definition-einer-beleidigung\/","title":{"rendered":"Definition einer Beleidigung"},"content":{"rendered":"<p>Es ist schon verbl\u00fcffend mit welcher Schnelligkeit die \u00e4gyptische Geistlichkeit bewiesen hat, dass Pr\u00e4sident Sisi <a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2015\/01\/06\/sisi-und-die-religoese-revolution\/\" title=\"Sisi und die religi\u00f6se Revolution\">mit seinem Ruf nach einer religi\u00f6sen Revolution<\/a> recht gehabt hat. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/aegypten-islamgelehrte-verurteilen-neue-charlie-hebdo-ausgabe-13367772.html\" target=\"_blank\">Die Reaktion der Al Ahza Universit\u00e4t<\/a> auf die Titelseite der Charlie-Hebdo-Ausgabe hat das ganze Problem zwischen der islamischen Geistlichkeit und der christlich-abendl\u00e4ndischen Lebensart offenbart. Das Cover wurde als Provokation und rassistischer Akt bezeichnet, also wiederum als Beleidigung des Islams bewertet.<\/p>\n<p>[youtube http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Vb-3eqPJ3EM]<\/p>\n<p>An diesem Punkt habe ich mich gefragt, wer denn eigentlich definiert, was eine Beleidigung ist: Der Beleidiger oder der Beleidigte? Betrachten wir uns doch einmal das Cover genauer. Eine weinende Figur mit Turban und Bart tr\u00e4gt ein Schild in der Hand: \u201eJe suis Charlie\u201c. Dar\u00fcber steht der Satz \u201eTout est pardonn\u00e9\u201c \u2013 \u201eAlles ist vergeben\u201c. Ich finde, dass ist alles andere als rassistisch oder provokativ. Im Gegenteil, es ist eine ganz gro\u00dfe Geste der Vers\u00f6hnung. Da haben in Frankreich drei junge M\u00e4nner im Namen Allahs und des Propheten gemordet. In der westlichen Welt nehmen das leider viele zum Anlass, alle Moslems mit Terroristen gleich zu setzen. Die Opfer von Charlie Hebdo tun das eben nicht. Im Gegenteil: Durch das Weinen der Figur, durch das Schild \u201eJe suis Charlie\u201c zeigen die Macher ja nur, dass auch sie davon \u00fcberzeugt sind, dass die Attent\u00e4ter eben nicht im Sinne Allahs und des Propheten gehandelt haben. Und dar\u00fcber steht ein gro\u00dfes Bekenntnis der Vergebung und Vers\u00f6hnung.<\/p>\n<p>Und dann diese Reaktion aus Kairo! Inhaltlich k\u00f6nnen die Imame die Karikatur kaum kritisieren, sagt sie doch nichts anderes aus, als das, was sie vor Tagen von sich aus selbstherrlich in die Welt hinausposaunt haben. Es geht also um die Darstellungsform. Nat\u00fcrlich gehen die Geistlichen davon aus, dass es sich bei dieser Figur um Mohammed handeln \u2013 wobei selbst das ja nicht einmal sicher ist. Wenn der Prophet tats\u00e4chlich gemeint ist \u2013 und davon d\u00fcrfen wir ruhig ausgehen \u2013 ist er in Form einer Karikatur dargestellt worden. Das ist in den Augen der islamischen Geistlichkeit das Verwerfliche, denn der Prophet darf nicht im Bilde dargestellt werden, schon gar nicht in einem Cartoon. \u00dcbrigens kennt der Koran gar kein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bilderverbot_im_Islam\" target=\"_blank\">Bilderverbot<\/a>. Das Verbot im Islam wird aus den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hadith\" target=\"_blank\">Hadithe<\/a> abgeleitet. Aber es gilt vielen Moslems als wichtiges Gebot. Nun sind es ja keine Moslems, die diesen Cartoon gezeichnet oder ver\u00f6ffentlicht haben. W\u00e4ren sie es, w\u00e4re es eine innerislamische Angelegenheit, dann w\u00e4re es Unsinn dem Westen per se Rassismus vorzuwerfen. Bei Charlie Hebdo handelt es sich um eine Satirezeitschrift, deren wesentliches Ausdrucksmittel die Karikatur ist. Verlangen die islamischen Sittenw\u00e4chter allen Ernstes, dass sich die Opfer eines Anschlages, der auf sie im Namen des Islams ver\u00fcbt wurde, auch noch ihres eigenen Ausdrucksmittels berauben? Das hie\u00dfe ja, Charlie Hebdo ein zweites Mal umzubringen! Nach dieser Logik ist es auch eine Beleidigung des Islams, wenn Ungl\u00e4ubige Schweinefleisch essen, Wein trinken und dem Gl\u00fccksspiel fr\u00f6nen. Hei\u00dft das dann in der Schlussfolgerung, dass es eine Vers\u00f6hnung nur zum Preis der Konvertierung geben kann?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.n24.de\/n24\/Wissen\/Kultur-Gesellschaft\/d\/5996142\/wie-is-lam-feind-lich-ist-michel-houellebecqs-neu-er-ro-man-.html\" target=\"_blank\">Am Tag des Anschlages erschien in Frankreich<\/a> der umstrittene Roman <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3832197958\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3832197958&amp;linkCode=as2&amp;tag=carpathia-21&amp;linkId=EJIOYM7Q2UXQZYGC\" target=\"_blank\">\u201eUnterwerfung\u201c von Michel Houellebecq<\/a>. Darin entwickelt er die Vision eines Frankreichs, das sich aus lauter Political Correctness in einen islamistischen Gottesstaat verwandelt. Eigentlich hatte ich so etwas f\u00fcr Unsinn gehalten, aber die Reaktionen in der arabischen Welt auf das als Vers\u00f6hnungsgeste gedachte Cover hat mich verst\u00f6rt. Vor allem ist die Reaktion Wasser auf die M\u00fchlen jener 20.000 oder 25.000, die Montag f\u00fcr Montag unter der Fahne \u201ePatriotische Europ\u00e4er gegen die Islamisierung des Abendlandes\u201c auf die Stra\u00dfe gehen \u2013 und es ist auch ein Schlag ins Gesicht all der Zehntausend, die sich Montag f\u00fcr Montag gegen die Pegida-Demonstranten wehren. Und nat\u00fcrlich ist es vorderhand auch eine Niederlage f\u00fcr Abdel Fattah al Sisi, dessen Worte offenbar (noch) nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Ich wei\u00df, dass es auch in \u00c4gypten Freunde von mir gibt, die nicht gl\u00fccklich \u00fcber die Karikatur waren. Aber vielleicht k\u00f6nnen auch sie die Botschaft weiter tragen, dass dieser Titel das genaue Gegenteil einer Provokation war, sondern das Vers\u00f6hnungsangebot des Opfers \u2013 eines Opfers, das verzeihen kann. Daran m\u00fcssen die \u00e4gyptischen Imame wohl noch arbeiten. Mich hat die Reaktion aus dem \u201eHaus der Rechtsprechung\u201c \u00fcbrigens als Europ\u00e4er, Christ und Freund der islamischen Welt beleidigt \u2013 tief beleidigt. Aber ich geh am Montag trotzdem wieder auf die Stra\u00dfe und demonstriere \u2013 gegen die Islamfeinde der Pegida.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon verbl\u00fcffend mit welcher Schnelligkeit die \u00e4gyptische Geistlichkeit bewiesen hat, dass Pr\u00e4sident Sisi mit seinem Ruf nach einer religi\u00f6sen Revolution recht gehabt hat. 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