{"id":754,"date":"2014-05-29T18:40:15","date_gmt":"2014-05-29T16:40:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=754"},"modified":"2014-05-29T18:40:15","modified_gmt":"2014-05-29T16:40:15","slug":"sisis-sieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2014\/05\/29\/sisis-sieg\/","title":{"rendered":"Sisis Sieg"},"content":{"rendered":"<p>Und wieder mal wird an der geringen Wahlbeteiligung herumgem\u00e4kelt. Angeblich haben sich nur 44 Prozent der \u00e4gyptischen W\u00e4hler an der Pr\u00e4sidentschaftswahl beteiligt. Sollte sich diese Zahl best\u00e4tigen, w\u00e4re sie ja so schlecht nicht. Sie l\u00e4ge damit so ziemlich im Schnitt aller Wahlen seit Beginn der Revolution. Einen Makel g\u00e4be es trotzdem: Drei Tage hat man die \u00c4gypter w\u00e4hlen lassen und dann am Ende sogar 500 Pfund Strafe jedem angedroht, der seiner Wahlpflicht nicht nachkommt. Das war vielleicht nicht unbedingt n\u00f6tig und tr\u00e4gt nun nicht gerade dazu bei, den triumphalen Sieg noch heller scheinen zu lassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_757\" style=\"width: 302px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Egyptian_Minister_of_Defense_Abdel_Fatah_Al_Sisi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-757\" class=\"size-medium wp-image-757\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Egyptian_Minister_of_Defense_Abdel_Fatah_Al_Sisi-292x300.jpg\" alt=\"\u00c4gyptens neuer Pr\u00e4sident: Der fr\u00fchere Verteidigungsminister und Chef des Obersten Milit\u00e4rrates Abdel Fatah al Sisi.  Foto: Erin A. Kirk-Cuomo (CC BY 2.0)\" width=\"292\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-757\" class=\"wp-caption-text\">\u00c4gyptens neuer Pr\u00e4sident: Der fr\u00fchere Verteidigungsminister und Chef des Obersten Milit\u00e4rrates Abdel Fatah al Sisi. Foto: Erin A. Kirk-Cuomo (<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/\">CC BY 2.0<\/a>)<\/p><\/div>\n<p>Reflexartig sprachen die Moslembr\u00fcder nat\u00fcrlich von Wahlbetrug. Erstaunlicherweise bezogen sie sich beim Betrugsvorwurf gar nicht auf Stimmzettel, die zugunsten Sisis gef\u00e4lscht worden seien, sondern gaben an, dass \u00fcberhaupt nur zehn Prozent der \u00c4gypter zu Wahl gegangen seien. Und hier wird die Sache interessant. Die Wahlbeteiligung schien fast wichtiger, als das eigentliche Wahlergebniss, weil der Sieger ja sowieso feststand. In den letzten drei Jahren waren es die Moslembr\u00fcder, die ihre Anh\u00e4nger oft lastwagen- und busseweise zu den Wahllokalen karrten. Das haben sie diesmal nat\u00fcrlich nicht getan und stattdessen zum Wahlboykott aufgerufen. So richtig gefruchtet hat es wohl am Ende nicht. Andererseits wollte Sisi nat\u00fcrlich eine Wahlbeteiligung von \u00fcber 50 Prozent, um zu dokumentieren, dass der Boykott-Aufruf der Moslembr\u00fcder v\u00f6llig gescheitert ist. Das hat er deutlich verfehlt.<\/p>\n<p>Bei \u00fcber 90 Prozent Zustimmung liegt der Verdacht von Wahlbetrug nat\u00fcrlich immer auf der Hand, erinnert es doch an die Wahlergebnisse in den fr\u00fcheren sozialistischen L\u00e4ndern. Aber das ist unwahrscheinlich, denn die \u00c4gypter selbst hatten 190 Wahlbeobachter der OSZE angefordert. Bislang liegt deren Abschlussbericht noch nicht vor, es scheint aber so, als w\u00fcrde der ganz gut ausfallen.<\/p>\n<p>Wenn es keinen Wahlbetrug gegeben hat und alle Zahlen stimmen, dann bleibt jedenfalls festzuhalten, dass sich Abdel Fattah al-Sisi auf einen ganz breiten R\u00fcckhalt der Bev\u00f6lkerung st\u00fctzen kann. F\u00fcr Regierungskritiker werden jetzt vermutlich noch h\u00e4rtere Zeiten anbrechen, was gar nicht unbedingt direkt von dem neuen Pr\u00e4sidenten, vielmehr aber von seiner Entourage ausgehen wird.<\/p>\n<p>Vermutlich hat \u00c4gypten an jenen drei Tagen Ende Mai 2014 einen gro\u00dfen Schritt in Richtung Stabilit\u00e4t und Sicherheit getan. Aber das Land hat sich das auf Kosten von Freiheiten und B\u00fcrgerrechten erkauft. Das empfindet der Westen als schlimm und bedr\u00fcckend, das gleiche gilt f\u00fcr Regimekritiker. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit jener \u00c4gypter, die al-Sisi gew\u00e4hlt hat, hat f\u00fcr solche Empfindungen gar keinen Sinn, mancher begreift sie sogar als Angriff auf das eigene Land.<\/p>\n<p>Ob al-Sisi die gewaltigen Aufgaben, die vor ihm stehen, tats\u00e4chlich alle schultern kann, ist bisher ungewiss. Viele \u00c4gypter sind aber davon \u00fcberzeugt. F\u00fcr sie ist er ein Heilsbringer, dem eine Welle der Begeisterung entgegenschl\u00e4gt, wie vor ihm nur Gamal Abdel Nasser. Der war ein Diktator, den der britsche Premier Antony Eden gar mit Hitler verglichen hatte. Am Ende scheiterte Edens Karriere eben an jenem Nasser, den er nie richtig begriffen hatte.<\/p>\n<p>Es bleibt zu hoffen, dass der Westen diesen neuen Pr\u00e4sidenten richtig einsch\u00e4tzen wird und Abdel Fattah al-Sisi alles erdenkliche Gl\u00fcck und eine sichere Hand w\u00fcnscht bei den Aufgaben, die er in den n\u00e4chsten Monaten und Jahren bew\u00e4ltigen muss. Es gibt auf diesem Planeten derzeit nicht viele Jobs zu vergeben, die noch undankbarer und gleichzeitig anspruchsvoller sind \u2013 au\u00dfer vielleicht in der Ukraine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und wieder mal wird an der geringen Wahlbeteiligung herumgem\u00e4kelt. 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