{"id":711,"date":"2014-02-20T14:49:23","date_gmt":"2014-02-20T13:49:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=711"},"modified":"2014-02-20T14:49:23","modified_gmt":"2014-02-20T13:49:23","slug":"die-faelscher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2014\/02\/20\/die-faelscher\/","title":{"rendered":"Die F\u00e4lscher"},"content":{"rendered":"<p>Die Nachricht, dass die islamistische Terrorgruppe Ansar Beit al Maqdis sich nicht nur zu dem Anschlag in Taba bekannte, sondern auch noch alle Touristen ultimativ aufforderte \u00c4gypten bis zum 20. Februar zu verlassen, hat verst\u00e4ndlicherweise f\u00fcr gro\u00dfe Beunruhigung gesorgt.\u00a0 Doch zumindest bei vielen Experten ist die Beunruhigung inzwischen einer gewissen Verbl\u00fcffung gewichen. Zwei Tage nach dem Bekennerschreiben zu dem Bombenattentat in Taba stellt sich die Sache nun etwas anders dar. Zwar hat es den Anschein, dass das Bekennerschreiben echt ist, das Ultimatum, das Touristen in \u00c4gypten bedroht, hingegen falsch. Dieses Ultimatum wurde \u00fcber einen Twitteraccount von Ansar Beit al Maqdis verschickt. Doch ein wenig f\u00fchlt man sich an diese alte Kaffee-Werbung erinnert: Ansar Beit al Maqdis behauptet: <a href=\"http:\/\/www.longwarjournal.org\/threat-matrix\/archives\/2013\/12\/ansar_jerusalem_does_not_have.php\">\u00bbWir haben gar keinen Twitter-Account.\u00ab<\/a> Und das hat die Gruppe schon im Dezember ge\u00e4u\u00dfert. Sie lehnt Social Media aus Prinzip ab. Inzwischen hat sich auch der \u00c4gyptische Tourismusminister Hisham Zaasou <a href=\"http:\/\/www.travelweekly.co.uk\/Articles\/2014\/02\/20\/47041\/egypt+tourism+minister+doubts+credibility+of+tourist+threat.html\" target=\"_blank\">in gleicher Weise ge\u00e4u\u00dfert<\/a>. Mehr Details zu dem Thema finden sich in der (geschlossenen) Facebook-Gruppe <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/news.hurghada\/\" target=\"_blank\">Hurghada&#8217;s good &amp; bad news<\/a> von Anja Buchloh. Die deutsche Grafik-Designerin lebt seit Jahren in Hurghada und verfolgt sehr aufmerksam die \u00e4gyptischen Medien. Sie hatte mich gestern auch als erste auf die Sache mit dem offensichtlich gef\u00e4lschten Twitter-Account aufmerksam gemacht.<\/p>\n<div id=\"attachment_714\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/ABM-F\u00e4lschung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-714\" class=\"size-medium wp-image-714\" alt=\"Auf dieser Twitternachricht beruht die das angebliche Ultimatum gegen Touristen. Screenshot: Anja Buchloh\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/ABM-F\u00e4lschung-300x174.jpg\" width=\"300\" height=\"174\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-714\" class=\"wp-caption-text\">Auf dieser Twitternachricht beruht die das angebliche Ultimatum gegen Touristen. Screenshot: Anja Buchloh<\/p><\/div>\n<p>Nat\u00fcrlich stellt sich nun die berechtigte Frage: Wer tut so etwas? <a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2014\/02\/19\/die-bekenner\/\" target=\"_blank\">In meinem gestrigen Blog-Beitrag \u00bbDie Bekenner\u00ab<\/a> hatte ich ja bereits die These aufgestellt, dass es bei dem inner\u00e4gyptischen Konflikt eigentlich keine Gruppe gibt, die ein Interesse daran haben k\u00f6nnte, dass der Tourismus endg\u00fcltig kolabiert. Einerseits haben Angeh\u00f6rige aller Seiten einfach zuviel Geld in diesem Wirtschaftszweig stecken, andererseits verliert eine Gruppe, die sich buchst\u00e4blich auf Touristen einschie\u00dft, sofort jeglichen R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung. Und so sind nun allen m\u00f6glichen Verschw\u00f6rungstheorien T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Theorie 1:<\/strong> <em>Der \u00e4gyptische Geheimdienst steckt dahinter, um die dschihadistischen Gruppen endg\u00fcltig zu diskreditieren.<\/em> Dagegen spricht allerdings, dass die Gefahr zu gro\u00df und der Preis zu hoch w\u00e4re. Noch weniger Touristen im Land w\u00fcrden letztlich der Regierung und dem vermutlich kommenden Pr\u00e4sidenten al Sisi schwer schaden.<\/li>\n<li><strong>Theorie 2:<\/strong> <em>Ein Islamist aus den eigenen Reihen hat den Account gef\u00e4lscht, um seine Glaubensbr\u00fcder anzuspornen, jetzt endlich so richtig gegen die Ungl\u00e4ubigen loszulegen.<\/em> Das ist zwar denkbar, aber wenig wahrscheinlich, da die K\u00e4mpfer im Sinai schon einem ziemlichen Drill unterworfen sind.<\/li>\n<li><strong>Theorie 3:<\/strong> <em>Versprengte Anh\u00e4nger des ehemaligen Pr\u00e4sidenten Mubarak sind die F\u00e4lscher.<\/em> In mindestens f\u00fcnf F\u00e4llen sollen die sogenannten \u00bbThugs\u00ab als Mubaraks Schl\u00e4gertrupps hinter den insgesamt \u00fcber 80 Kirchenbrandstiftungen in der Folge von Mursis Sturz stecken. Auch bei der entsetzlichen Stadionkatastrophe vor zwei Jahren in Port Said sollen Mubarakanh\u00e4nger ihre Finger im Spiel gehabt haben. Tats\u00e4chlich wird den Anh\u00e4ngern des Mubarak-Clans so ziemlich alles zugetraut. Doch auch in diesem Fall ist noch zu viel Geld im Spiel.<\/li>\n<li><strong>Theorie 4:<\/strong> Das d\u00fcrfte die Lieblingstheorie zahlreicher \u00c4gypter sein: <em>Israel war&#8217;s.<\/em> Nun muss man kein eingefleischter Antisemit sein, um Benjamin Netanjahu und seinen Br\u00fcdern im Geiste so ziemlich jede Bosheit zuzutrauen. Doch in diesem Fall stellt sich nur eine einzige Frage: Warum sollte Israel das tun? Um \u00c4gypten noch mehr zu destabilisieren? Die Israelis haben das gr\u00f6\u00dfte Interesse daran, dass in \u00c4gypten endlich Ruhe herrscht und auf dem Sinai geordnete Verh\u00e4ltnisse einziehen.<\/li>\n<li><strong>Theorie 5:<\/strong> <em>Die Hamas war&#8217;s.<\/em> Diese Theorie ist mein Favorit, seit mich gestern Abend eine Bekannte gefragt hat, warum sich die f\u00fcnf Terrororganisationen im Norden des Sinais nicht zusammenschlie\u00dfen. Alle werden sie schlie\u00dflich von der Hamas unterst\u00fctzt. Eben. Die Hamas hat kein Interesse an stabilen Verh\u00e4ltnissen in \u00c4gypten und an einer Regierung, die die Tunnels in den Gazastreifen wieder schlie\u00dft. Sie hat kein Interesse daran, dass \u00c4gypten durch den Tourismus verdient \u2013 und sie hat kein Interesse daran, dass sich die Terrororganisationen zu einer zusammenschlie\u00dfen, denn dann w\u00fcrde sie selbst erheblich an Einfluss verlieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun kann sich ja jeder seine Lieblingstheorie aussuchen oder seine eigene der Liste hinzuf\u00fcgen. Eines ist per Stand von heute wenigstens klar: Das Ultimatum und die explizite Drohung gegen Touristen sind eine F\u00e4lschung. Das bedeutet nicht, dass es in Zukunft keine Opfer unter Touristen geben wird. Aber die Gefahrenlage hat sich gegen\u00fcber den letzten Wochen und Monaten letztlich nicht ge\u00e4ndert. Die Str\u00e4nde des Roten Meeres sind jedenfalls sicherer als die weltber\u00fchmte Copacabana \u2013 und dort, in Brasilien, findet im Sommer immerhin die Fu\u00dfball-WM statt, zu der Zehntausende deutsche Touristen ohne jegliche Sicherheitsbedenken fliegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nachricht, dass die islamistische Terrorgruppe Ansar Beit al Maqdis sich nicht nur zu dem Anschlag in Taba bekannte, sondern auch noch alle Touristen ultimativ aufforderte \u00c4gypten bis zum 20. 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