{"id":70,"date":"2012-01-05T20:35:22","date_gmt":"2012-01-05T19:35:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=70"},"modified":"2012-01-05T20:35:22","modified_gmt":"2012-01-05T19:35:22","slug":"einsichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/01\/05\/einsichten\/","title":{"rendered":"Einsichten"},"content":{"rendered":"<p>Heute hatte ich ein Interview, auf das ich sehr lange gehofft habe: Mit Samih Sawiris, Sohn eines der gr\u00f6\u00dften Bauunternehmer des Landes, Absolvent der TU in Berlin und Gr\u00fcnder von El Gouna. Ich halte ihn f\u00fcr die logische Fortsetzung und vor allem Weiterentwicklung des von mir hoch gesch\u00e4tzten Mohammady Hwaidak, eine Einsch\u00e4tzung im \u00dcbrigen, bei der mir Samih Sawiris heftig widersprochen hat. Trotzdem bleibe ich dabei. Als Mohammady Hwaidak in der 80er Jahren begann, Hurghada zu einer riesigen Fremdenverkehrsmetropole zu entwickeln, holte er sich ganz bewusst die eigene Konkurrenz in den Ort, mit der Begr\u00fcndung, es sei wichtig, das Geld im Lande zu halten und nicht ins Ausland abflie\u00dfen zu lassen. Zwar wuchs der Ort explosionsartig, aber Mohammady verlor sehr schnell die Kontrolle \u00fcber die Entwicklung der Stadt. Samih dagegen behielt in El Gouna die ganze Kontrolle. Seine Motivation ging einen entscheidenden Schritt weiter. Er wollte nicht einfach nur das Geld im Land halten und nebenbei f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze sorgen. Ihm ging es auch darum, Ausbildungsm\u00f6glichkeiten zu schaffen, Chancen zu verbessern und Wohnungseigentum auch f\u00fcr die weniger privilegierten \u00c4gypter zu erm\u00f6glichen. So wurde aus einem kleinen Tourismuszentrum eine florierende Stadt mit 25.000 Einwohnern, und das alles innerhalb von 20 Jahren. Zuvor gab es an diesem Ort einfach nur \u2013 Sand. Auch ich habe zu jenen geh\u00f6rt, die noch Mitte der 90er Jahre El Gouna als Retortenstadt verspottet haben. Inzwischen habe ich meine Meinung allerdings gr\u00fcndlich revidiert. Gut \u2013 es liegt ja auch auf der Hand, dass ein Disneyland-Themenpark \u00c4gypten keinen Berliner TU Campus braucht. Den aber gibt es in El Gouna, genau so, wie ein sehr gelobtes Krankenhaus, mehrere Schulen und einer Hotelfachschule. Der Tourismus stellte sozusagen nur den Nukleus f\u00fcr eine v\u00f6llig neue Stadt dar. Samih meint, wenn es in \u00c4gypten 1000 El Gounas geben w\u00fcrde \u2013 und der Platz ist da \u2013 w\u00fcrde aus dem Staat ein stabiles, demokratisches und florierendes Land. Im S\u00fcden jedoch, wo immer neue Hotelst\u00e4dte hochgezogen werden, gilt eher Hurghada denn El Gouna als Beispiel. Samih hingegen ist unverzagt und baut \u00e4hnliche Modellst\u00e4dte in Marokko, dem Oman, auf Mauritius, in Rum\u00e4nien und \u2013 man h\u00f6re und staune \u2013 in der Schweiz. Vielleicht wird ja unter einer neuen Regierung sein Beispiel doch noch Schule machen, egal, wer an die Macht kommt.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens hat Samih auch einen Fu\u00dfballverein in El Gouna gegr\u00fcndet, den er in wenigen Jahren von der untersten in die oberste Liga gef\u00fchrt hat. El Gouna hat gestern gegen El Masri leider 0:1 verloren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute hatte ich ein Interview, auf das ich sehr lange gehofft habe: Mit Samih Sawiris, Sohn eines der gr\u00f6\u00dften Bauunternehmer des Landes, Absolvent der TU in Berlin und Gr\u00fcnder von El Gouna. 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