{"id":682,"date":"2014-01-27T15:11:11","date_gmt":"2014-01-27T14:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=682"},"modified":"2014-01-27T15:11:11","modified_gmt":"2014-01-27T14:11:11","slug":"teilen-aber-wie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2014\/01\/27\/teilen-aber-wie\/","title":{"rendered":"Teilen \u2013 aber wie?"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ja eine traurige Tatsache in \u00c4gypten: Wer an der Macht ist, haut seinem Gegner erst mal so richtig eins \u00fcber die R\u00fcbe. Das war bei den Moslembr\u00fcdern so, und das scheint inzwischen bei der herrschenden Regierung auch nicht anders zu sein. Es sind ja nicht nur die Moslembr\u00fcder, die Pr\u00fcgel beziehen, sondern auch die, die drei Jahre nach dem Sturz von Hosni Mubarak f\u00fcrchten, dass das alte Regime in Form einer Milit\u00e4rdiktatur zur\u00fcckkommt.<\/p>\n<div id=\"attachment_683\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Goldmine.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-683\" class=\"size-medium wp-image-683\" alt=\"Auch die \u00e4gyptischen Goldminen geh\u00f6ren zum Wirtschaftsimperium der Armee. Foto: psk\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Goldmine-300x191.jpg\" width=\"300\" height=\"191\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-683\" class=\"wp-caption-text\">Auch die \u00e4gyptischen Goldminen geh\u00f6ren zum Wirtschaftsimperium der Armee. Foto: psk<\/p><\/div>\n<p>Genau diesen Satz h\u00f6rt man nun immer \u00f6fter. Aber im Grunde ist er unsinnig. Wenn wir das Rad der Geschichte um drei Jahre zur\u00fcckdrehen, dann stellt sich die Sache doch ganz, ganz anders dar. Mubarak wurde ja nicht deshalb gest\u00fcrzt, weil man einen blutigen Milit\u00e4rdiktator beseitigen wollte. Es ist ja auch eine schlecht abzuleugnende Tatsache, dass der absolut gr\u00f6\u00dfte Teil der \u00c4gypter mit den ersten 20 der knapp 30 Regierungsjahre von Mubrak ganz zufrieden waren. Der Aufruhr begann doch erst, als die Familie Mubarak in Gestalt von Frau Suzanna und Sohn Gamal versucht hatte, den Staat zur pers\u00f6nlichen Beute zu machen. Das war dann selbst im Bakschisch-Wunderland \u00c4gypten zu viel des Guten. Und weil das in Tunesien so gut geklappt hatte, machte man kurzerhand eine Revolution und fegte den Alten hinweg.<\/p>\n<p>War das so? Am Ende war es der Oberste Milit\u00e4rrat (SCAF), der Mubarak f\u00f6rmlich auf seinem Stuhl in den Hubschrauber tragen musste. Und der SCAF \u00fcbernahm dann praktischerweise auch gleich mal die Regierung. Es ist schon ziemlich erstaunlich, dass die Welt vor drei Jahren nicht von einem Milit\u00e4rputsch gesprochen hat. Die Begr\u00fcndung war ja einfach: Das Milit\u00e4r hatte schlie\u00dflich nur den Willen der Millionen auf dem Tahrirplatz exekutiert (das darf jetzt jeder verstehen, wie er mag).<\/p>\n<p>Komischerweise standen zweieinhalb Jahre sp\u00e4ter noch viel mehr Millionen auf der Stra\u00dfe. Mursi wurde auch nicht von den Milit\u00e4rs gedr\u00e4ngt, sein Amt aufzugeben. Der Pr\u00e4sident hatte sich aus Angst vor der Armee in eine Kaserne der Republikanischen Garde gefl\u00fcchtet, die ihn dann einfach nicht mehr raus lie\u00df. Im Gegensatz zum Machtwechsel 2011 hatte das Milit\u00e4r keine Sekunde lang die Macht in H\u00e4nden. Trotzdem spricht man bei den Ereignissen von Juni und Juli 2013 von einem Milit\u00e4rputsch. Da versteh einer die Welt.<\/p>\n<p>Im Prinzip ist es aber schon richtig. Das Milit\u00e4r bleibt ein Staat im Staat und bestimmt letztlich, wo es in \u00c4gypten langgeht, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/aegypten-militaer-als-wirtschaftsmacht-a-909393.html\" target=\"_blank\">politisch und wirtschaftlich<\/a>. Da der glorreichen \u00e4gyptischen Armee auch fast die H\u00e4lfte des Landes geh\u00f6rt, k\u00f6nnte man ja fast schon von einem Mehrheitsentscheid sprechen. Aber Spa\u00df bei Seite. Tats\u00e4chlich gilt diese gro\u00dfe Ansammlung vor allem der wirtschaftlichen Macht beim Milit\u00e4r, als eines der gr\u00f6\u00dften Probleme des Landes. Und die L\u00f6sung klingt ja so einfach. Das Milit\u00e4r soll sich doch bitte von seinen Nudelfabriken, Mineralwasserbrunnen, Tankstellen, Klopapiermanufakturen, Reiseb\u00fcros, Aluminiumwerken, Keramikbetrieben und all dem anderen Plunder trennen, der 44 Prozent des Bruttosozialproduktes erwirtschaftet. Ist ja auch klar, Nudel- und Klopapierhersteller in \u00c4gypten, die nicht auf unbezahlte Wehrpflichtige als kostenlose Arbeitskr\u00e4fte zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, haben auf dem Markt von Nudeln und Klopapier einen denkbar schlechten Stand.<\/p>\n<p>Doch nun mal die Gegenfrage: Was w\u00fcrde denn mit \u00c4gypten passieren, wenn morgen fr\u00fch General Fatah al Sisi erwachen w\u00fcrde und sein erster Gedanke w\u00e4re: &#8222;Weg mit dem ganzen Schrott, wir verkaufen oder verschenken jetzt einfach alles!&#8220;? Nat\u00fcrlich muss das Milit\u00e4r teilen \u2013 alleine die Formel f\u00fcrs verantwortungsvolle Verteilen muss erst einmal gefunden werden. Es ist nat\u00fcrlich einfach, die Missst\u00e4nde in \u00c4gypten zu benennen. Das kann so ziemlich jeder, der sich nur ein klein wenig mit dem Land besch\u00e4ftigt hat. Aber ich habe andererseits noch keinen einzigen Menschen erlebt, der auch nur ansatzweise so etwas wie eine L\u00f6sung angeboten h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich muss sich das Milit\u00e4r von seinem Wirtschaftsimperium trennen. Aber wie soll es das tun, ohne dass in \u00c4gypten der ganze Laden endg\u00fcltig zusammenbricht? Vielleicht erinnert sich ja noch der eine oder andere daran, als die alte Bundesrepublik 1990 die Industrieparks der angeblich siebtgr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft der Welt \u00fcbernommen hatte. Am Aufbau Ost werkelt Deutschland inzwischen seit 25 Jahren herum \u2013 und das mit der wirtschaftlichen Potenz Westdeutschlands im R\u00fccken. Wer w\u00fcrde denn \u00c4gypten helfen, wenn die Milit\u00e4rs die Firmen auf den Markt werfen w\u00fcrden? Die Saudis? Das kann ernsthaft niemand wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ja eine traurige Tatsache in \u00c4gypten: Wer an der Macht ist, haut seinem Gegner erst mal so richtig eins \u00fcber die R\u00fcbe. 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