{"id":645,"date":"2013-10-15T15:49:33","date_gmt":"2013-10-15T13:49:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=645"},"modified":"2013-10-15T15:49:33","modified_gmt":"2013-10-15T13:49:33","slug":"gute-presse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2013\/10\/15\/gute-presse\/","title":{"rendered":"Gute Presse"},"content":{"rendered":"<p>Ich gestehe: Es gibt Leute, auch Kollegen, die der Meinung sind, ich sei nicht immer ganz objektiv, wenn es um \u00c4gypten gehe. Zumindest w\u00fcrde ich \u00c4gypten dann doch ein wenig zu wichtig nehmen. Ich frage mich dann immer, ob sie das gleiche auch zu ihren Kollegen in der Autoredaktion sagen w\u00fcrden. &#8222;He, Kumpel, ich glaube, du nimmst Autos einfach zu wichtig!&#8220; Ja, meine G\u00fcte, \u00fcber was soll er als Autoredakteur denn sonst schreiben? \u00dcber Brezeln? Dann w\u00e4re er bei der &#8222;B\u00e4ckerblume&#8220;! Und so ist es eben auch bei mir. Ich habe vier B\u00fccher \u00fcber den Tourismus in \u00c4gypten geschrieben, wie sollte ich \u00c4gypten dann nicht wichtig nehmen? Soll ich mich jetzt auf Spitzbergen spezialisieren?<\/p>\n<div id=\"attachment_646\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Presse-reise.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-646\" class=\"size-medium wp-image-646\" alt=\"Umstritten im Kollegenkreis: Die einw\u00f6chige Pressereise ans Rote Meer. Foto: psk\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Presse-reise-300x204.jpg\" width=\"300\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Presse-reise-300x204.jpg 300w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Presse-reise-150x102.jpg 150w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Presse-reise-225x153.jpg 225w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Presse-reise-441x300.jpg 441w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Presse-reise.jpg 591w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-646\" class=\"wp-caption-text\">Umstritten im Kollegenkreis: Die einw\u00f6chige Pressereise ans Rote Meer. Foto: psk<\/p><\/div>\n<p>Die Reise nach \u00c4gypten war im Kollegenkreis durchaus nicht unumstritten. Es gab bei den Reisejournalisten Kollegen, die stellten sich schlicht auf den Standpunkt, dass in ihrem Reiseteil \u00c4gypten derzeit nicht vermittelbar ist. Andere mutma\u00dften, dass es sich ja hier nur um eine gro\u00df angelegte Propagandafahrt des \u00e4gyptischen Tourismusministeriums handeln k\u00f6nnte. Ja! Und? Sind nicht alle Pressereisen Propagandafahrten der jeweiligen Veranstalter? Daf\u00fcr sind wir Journalisten, um genau mit solchen Dingen umzugehen. Wenn der VW-Konzern an einem milden Fr\u00fchlingswochenende ausgew\u00e4hlte Motorjournalisten zu einer Probefahrt des neusten Modells nach Marbella einl\u00e4dt (inlusive Flug und Hotel), dann macht das VW auch nicht deshalb, damit die Journalisten ganz besonders kritisch und genau hinsehen. Trotzdem w\u00e4re es wahrscheinlich eine berufliche Fehlentscheidung, an solch einer Reise nicht teilzunehmen.<\/p>\n<p>Nun kenne ich niemanden aus meinem beruflichen Umfeld, der jemals einen Kollegen daf\u00fcr kritisiert h\u00e4tte, an Pressereisen oder den in der Branche aus guten Gr\u00fcnden so beliebten und gef\u00fcrchteten Bilanzpressekonferenzen teilzunehmen. Aber offenbar scheint die \u00e4gyptische Krise viele Mechanismen bei der schreibenden Zunft au\u00dfer Kraft zu setzen. Ich habe mich an dieser Stelle schon das eine oder andere Mal dar\u00fcber gewundert, was die deutschen Korrespondeten in Kairo sehen und was sie nicht sehen wollen. Selektive Wahrnehmung f\u00fchrt schlie\u00dflich auch zu selektiven Urteilen. Aber nun denn \u2013 sie m\u00fcssen es selbst wissen.<\/p>\n<p>Bei der Informationsreise f\u00fcr Reisejournalisten war zun\u00e4chst ziemlich un\u00fcbersehbar, dass doch einige Fachmedien diese Reise ungenutzt lie\u00dfen. Das ist, in der besonderen Situation, in der \u00c4gypten steckt, schon f\u00fcr sich genommen ein sehr erstaunlicher Akt. Er ist eigentlich nur darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass diejenigen, die der Einladung nicht folgten, \u00c4gypten bereits als Reiseland abgeschrieben haben und es somit auch nicht mehr als in ihren Zust\u00e4ndigskeitsbereich geh\u00f6rend betrachten. Auf dem Standpunkt kann man ja stehen. Ich halte ihn f\u00fcr ziemlich zynisch und unreflektiert.<\/p>\n<p>Doch was ich dann in \u00c4gypten erlebte, verschlug mir dann doch die Sprache. Da wurde der mitreisende Journalist eines Internetmediums mit dem Facebook-Posting eines Kollegen eines gro\u00dfen Tauchmagazins konfrontiert. Der schrieb dem Kollegen, dass solch eine Reise sicher &#8222;nett f\u00fcr Hobby-Journalisten&#8220; sei, aber dass sich ernsthafte Journalisten von solch einer Reise fernzuhalten h\u00e4tten. Solche Reisen w\u00fcrden ja eh nichts bringen. Nun k\u00f6nnte man in diesem Fall von einem tragischen Einzelfall sprechen, wenn nicht gerade im Umfeld der \u00e4gyptischen Krise manch merkw\u00fcrdige journalistischen Dinge gesch\u00e4hen, die so gar nichts mehr mit dem zu tun haben, was ich vor 30 Jahren in meinem Tageszeitungsvolontariat mal gelernt habe (was ich bis zum heutigen Tag f\u00fcr einen der besten und ehrlichsten Wege in den Journalistenberuf halte).\u00a0 Aber jemand der sich \u2013 auch noch coram publico \u2013 auf solche Weise an einen Kollegen wendet, stellt damit genau drei Dinge unter Beweis: 1. Er ist v\u00f6llig arrogant und w\u00fcrdigt andere Kollegen herab. Schlau ist das jedenfalls nicht. 2. Er ist dumm, weil er sich freiwillig Informationsquellen beraubt, die er ja nicht kennenlernen kann, wenn er sich nicht an der Reise beteiligt. 3. Er ist ein lausiger Journalsit, weil er es offensichtlich f\u00fcr unm\u00f6glich h\u00e4lt, innerhalb von einer Woche selbst journalistisch wertvolle Quellen zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>In dem genannten Fall sprechen wir jetzt &#8222;nur&#8220; von Reisejournalisten. Ich wei\u00df aus eigener, leidvoller Erfahrung, wie ich bei anderen Fachressorts in den letzten beiden Jahren vor die Wand gelaufen bin. Andererseits sehe ich Korrespondenten in deutschen Leitmedien schreiben, die in ihrer gesamten Zeit in \u00c4gypten offensichtlich noch nie ein freundliches Wort f\u00fcr das Land \u00fcbrig hatten. Andererseits hat der Spiegel nun den allseits hochgeachteten und in \u00e4gyptischen Belangen nahezu unantastbaren Chef der Auslandspressepresse, den 76j\u00e4hrigen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Volkhard_Windfuhr\" target=\"_blank\">Volkhard Windfuhr<\/a>, aus dem Impressum entfernt. Der hatte in einer Pressemitteilung seiner Wut dar\u00fcber Luft gemacht, dass die ausl\u00e4ndischen Medien ausschlie\u00dflich die Repressalien des Staatsapparats im Blick h\u00e4tten, die Schandtaten des Moslembr\u00fcder aber ausklammerten. Windfuhrs Pech war, dass ausgerechnet zu jener Zeit ein <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/spiegel-korrespondent-kurzschluss-in-kairo-12542691.html\" target=\"_blank\">Spiegel-Kollege festgenommen<\/a> worden war.<\/p>\n<p>Es ist auch verwunderlich, dass das ZDF in seiner Berichterstattung \u00fcber die Ereignisse in \u00c4gypten (laut eigener Mediathek) ihren ausgewiesensten Experten, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dietmar_Ossenberg\" target=\"_blank\">Dietmar Ossenberg<\/a>, zum letzten Mal am <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/1942570\/Es-ist-wirklich-ruhig-geblieben-#\/beitrag\/video\/1942570\/Es-ist-wirklich-ruhig-geblieben-\" target=\"_blank\">12. Juli<\/a> zu Wort kommen lie\u00df. Dabei l\u00e4sst sich dem ehemaligen Leiter des Auslandsjournals ganz bestimmt nicht einseitige Berichterstattung vorwerfen. Er ist in der Vergangenheit f\u00fcr seine Ausgewogenheit stets hoch gesch\u00e4tzt worden. Ob sie inzwischen noch immer gewollt ist? Ich wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p>Wir sind im Westen immer schnell dabei, \u00c4gypten auf seiner Suche nach einer stabilen Demokratie schlaue Ratschl\u00e4ge zu geben. Eine freie Presse geh\u00f6rt sicher dazu \u2013 und hier hat sich, allen Beteuerungen zum Trotz, noch kein Regime in \u00c4gypten hervorgetan, auch das derzeitige nicht. Aber eine stabile Demokratie braucht auch eine ausgewogene und faire Presse \u2013 und daf\u00fcr kann die westliche Presse mit ihrer Berichterstattung \u00fcber \u00c4gypten derzeit eher kein Vorbild sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gestehe: Es gibt Leute, auch Kollegen, die der Meinung sind, ich sei nicht immer ganz objektiv, wenn es um \u00c4gypten gehe. Zumindest w\u00fcrde ich \u00c4gypten dann doch ein wenig zu wichtig nehmen. 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