{"id":63,"date":"2012-01-03T20:26:44","date_gmt":"2012-01-03T19:26:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=63"},"modified":"2012-01-03T20:26:44","modified_gmt":"2012-01-03T19:26:44","slug":"angekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/01\/03\/angekommen\/","title":{"rendered":"Angekommen"},"content":{"rendered":"<p>In all den Jahren, in denen ich nach \u00c4gypten komme, hat mich stets die Dynamik beeindruckt, mit der sich alles \u00e4ndert. Doch um ehrlich zu sein, waren das dann doch eher \u00e4u\u00dferliche Dinge. Am Roten Meer wurden in Rekordzeit Hotels und Wohnblocks hochgezogen. Aus Gassen wurden Boulevards, in der W\u00fcste gab es pl\u00f6tzlich Autobahnen (streckenweise sogar beleuchtete). Innerhalb von zwanzig Jahren wurde aus dem kleinen Fischerdorf Hurghada eine Stadt mit 60 Kilometern bebauter K\u00fcstenlinie.<\/p>\n<p>Diesmal sind die Ver\u00e4nderungen doch ganz andere. In den ersten zwei Tagen in \u00c4gypten, habe ich sehr viel Skepsis geh\u00f6rt &ndash; von den Europ\u00e4ern. Es sind genau die Europ\u00e4er, die vor einem Jahr mit den \u00c4gyptern die Revolution gefeiert haben. Die Situation scheint mir sehr ambivalent. Einerseits ist da die Genugtung dar\u00fcber, dass das alte Regime nun weg ist, andererseits ist da die Unsicherheit dar\u00fcber, was nun kommt. Das eigentliche Problem akut aber ein ganz anderes. &#8222;Es sind die kleinen Moslembr\u00fcder und die kleinen Salafisten&#8220;, sagt Thomas. Tats\u00e4chlich gibt es nun einige, die sich ganz bewusst mit den Europ\u00e4ern, die im Land leben, anlegen, weil sie glauben, ihnen nun vermeintliche Pfr\u00fcnde streitig machen zu k\u00f6nnen. Im Tourismus t\u00e4tige Mittelst\u00e4ndler haben die nicht ganz unbegr\u00fcndete Angst, nun verdr\u00e4ngt zu werden. Die Argumentation ist dabei ebenso offen wie absurd. &#8222;Ihr schafft das Geld hier raus, das wir selbst verdienen k\u00f6nnten&#8220;. Sie vergessen dabei, dass die angeblich so raffgierigen Europ\u00e4er im Tourismus nun ja ganz offensichtlich drei bis vierfach h\u00f6here L\u00f6hne bezahlen, als \u00c4gypter oder der Staat in anderen Wirtschaftszweigen.<\/p>\n<p>Touristen dagegen sp\u00fcren &ndash; wenigstens hier in Hurghada &ndash; wenig, au\u00dfer, dass die Stadt erschreckend leer ist &ndash; und die Preise deutlich in die H\u00f6he gegagangen sind. Das allerdings ist ein durchaus bekanntes Ph\u00e4nomen, das so manchen Wirtschaftswissenschaftler die Haare raufen l\u00e4sst. Schon fr\u00fcher war es so, dass die Taxifahrer und die Shops immer dann besonders viel von den Touristen verlangt haben, wenn die Stadt leer war. Gestern fuhr ich mit dem Taxi vom Arabia Hotel zum Le Pacha. Der Fahrer wollte f\u00fcr die Tour 30 LE (\u00e4gyptische Pfund) vor einem Jahr war die Fahrt noch f\u00fcr 10 zu haben. Ich erkl\u00e4rte ihm, dass 30 LE am helllichten nachmittag dann doch ziemlich viel seien. Seine Antwort: &#8222;Ich steh den ganzen Tag vor dem Hotel und keiner will mit mir fahren, weil keine Touristen in der Stadt sind.&#8220; Diese verbl\u00fcffende Ehrlichkeit ist dann auch wieder typisch \u00e4gyptisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In all den Jahren, in denen ich nach \u00c4gypten komme, hat mich stets die Dynamik beeindruckt, mit der sich alles \u00e4ndert. Doch um ehrlich zu sein, waren das dann doch eher \u00e4u\u00dferliche Dinge. 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