{"id":610,"date":"2013-08-20T14:14:06","date_gmt":"2013-08-20T12:14:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=610"},"modified":"2013-08-20T14:14:06","modified_gmt":"2013-08-20T12:14:06","slug":"die-macht-der-generale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2013\/08\/20\/die-macht-der-generale\/","title":{"rendered":"Die Macht der Generale"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p>Die Frage kommt, aber leider viel zu selten. Manchmal fragen mich Leute: \u201eWoher kommt eigentlich die gro\u00dfe wirtschaftliche Macht der Milit\u00e4rs in \u00c4gypten?\u201c Komisch eigentlich. Man kann sich ja durchaus mal die Frage stellen, warum sich eine riesige Armee nicht auf ihre Kernkompetenz beschr\u00e4nkt und einfach Armee ist. Im Gegenteil: gerade ihre Kernkompetenz scheint ja v\u00f6llige Nebensache zu sein. Gerade die, die am lautesten beklagen, dass die Armee nun wieder die Strippen zieht, haben sich offenbar mit dieser Grundfrage noch nie besch\u00e4ftigt. Dabei k\u00f6nnte sie von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die weitere Entwicklung des Landes sein.<\/p>\n<div id=\"attachment_611\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Nasser-Faisal-Arafat-1970.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-611\" class=\"size-medium wp-image-611\" alt=\"GAMAL ABDEL NASSER (links; hier mit K\u00f6nig Feisal von Saudi-Arabien und PLO-F\u00fchrer Jassir Arafat) verordnete \u00c4gypten eins die volle Autarkie. Foto: Al Ahram\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Nasser-Faisal-Arafat-1970-230x300.jpg\" width=\"230\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-611\" class=\"wp-caption-text\">GAMAL ABDEL NASSER (links; hier mit K\u00f6nig Feisal von Saudi-Arabien und PLO-F\u00fchrer Jassir Arafat) verordnete \u00c4gypten eins die volle Autarkie. Foto: Al Ahram<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Urspr\u00fcnge f\u00fcr diese wirtschaftliche Machtf\u00fclle d\u00fcrften bei Gamal Abdel Nasser liegen. Mit der Gruppe der \u201eFreien Offiziere\u201c putschte er 1952 K\u00f6nig Faruk von der Macht, die er zwei Jahre sp\u00e4ter entg\u00fcltig an sich riss. Nasser hatte eine ganz klare Leitlinie, und die hie\u00df Unabh\u00e4ngigkeit. Nach der Quasikolonialzeit unter den Briten suchte Nasser f\u00fcr \u00c4gypten die bedingungslose Unabh\u00e4ngigkeit, nicht nur staatlich, sondern auch diplomatisch und vor allem wirtschaftlich. Mit dem Regierungschefs von Indien und Jugoslawien, Nehru und Tito gr\u00fcndete er die \u201eBlockfreien Staaten\u201c. Die wollten im kalten Krieg weder von den Amerikanern noch den Sowjets abh\u00e4ngig sein.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wenn man allerdings \u00fcber eine r\u00fcckst\u00e4ndige Industrie, wie \u00c4gypten verf\u00fcgt, ist es relativ schwierig wirklich wirtschaftlich unabh\u00e4ngig zu sein. Trotzdem forderte Nasser von seinem Land die v\u00f6llig Autarkie: \u201eVon der N\u00e4hnadel bis zur Atomrakete\u201c m\u00fcsse alles im Land selbst hergestellt werden. So wird die Sache schnell klar: Wenn Autarkie Staatsziel wird, dann muss im Zweifel auch die Armee ran, um dieses Staatsziel zu erreichen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Geschichte hat gezeigt, dass Nasser seine Ziele jetzt nicht unbedingt zu hunderprozent umsetzen konnte. Um ehrlich zu sein, ist er mit seinen Projekten, abgesehen vom Nasserstaudamm ziemlich kl\u00e4glich gescheitert. Am Ende landete er in sowjetischer Abh\u00e4ngigkeit und was von der \u00e4gyptischen Autoindustrie \u00fcbrig geblieben ist, lie\u00df sich vor ein paar Jahren noch beim Minibusfahren in Hurghada besichtigen. Die \u00c4lteren von uns erinnern sich vielleicht \u2013 ja nach dem \u2013 mit Entsetzen oder Erheiterung an die Eltramco Busse. Was blieb, war ein immer weiter wachsendes Wirtschaftsimperium des Milit\u00e4rs. Nur warum wuchs es nur? Ganz einfach: Es dient bis zum heutigen Tag der wirtschaftlichen Absicherung ausgeschiedener Milit\u00e4rs.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Jeder, der verlangt, dass die Milit\u00e4rs ihrer wirtschaftlichen Macht entsagen, muss zwangsl\u00e4ufig auch eine Antwort darauf finden, wie er die daraus folgenden schweren sozialen Verwerfungen verhindern will. Es geht ja nicht nur darum, dass ein paar Generale in den Ruhestand versetzt werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Genau so wenig, wie der Westen eine Antwort darauf hatte, was die Alternative zur R\u00e4umung der MB-Lager in Kairo gewesen w\u00e4re, hat er nat\u00fcrlich eine darauf, was mit dem, zum Teil ja maroden, Wirtschaftsimperium der Generale werden soll. Gerade wir in Deutschland haben ja erlebt, was es hei\u00dft, eine marode Industrie zu \u00fcbernehmen. Nun sind die sozialen Grundlagen in \u00c4gypten deutlich schw\u00e4cher, als sie in der DDR 1990 waren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dass sich der Westen auf recht unsachliche Weise mit den derzeitigen Umst\u00e4nden in \u00c4gypten auseinandersetzt, f\u00fchrt zu der paradoxen Situation, dass die Macht des Milit\u00e4rs nicht gemindert, sondern gest\u00e4rkt wird. Mit jedem kritischen Wort aus dem Ausland w\u00e4chst die Sympathie f\u00fcr Abdel Fatah al Sissi. Interessanter ist aber ein anderes Ph\u00e4nomen: Die \u00e4gyptische Jugend entdeckt gerade ein neues Idol, so h\u00f6rt man: Gamal Abdel Nasser. Ob das dem Westen gef\u00e4llt lassen wir mal dahingestellt. Aber er hat sicher selbst dazu beigetragen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage kommt, aber leider viel zu selten. Manchmal fragen mich Leute: \u201eWoher kommt eigentlich die gro\u00dfe wirtschaftliche Macht der Milit\u00e4rs in \u00c4gypten?\u201c Komisch eigentlich. 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