{"id":569,"date":"2013-07-07T16:56:41","date_gmt":"2013-07-07T14:56:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=569"},"modified":"2013-07-07T16:56:41","modified_gmt":"2013-07-07T14:56:41","slug":"was-hilft-agypten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2013\/07\/07\/was-hilft-agypten\/","title":{"rendered":"Was hilft \u00c4gypten?"},"content":{"rendered":"<p>Ein Argument, das nicht nur Anh\u00e4nger des gest\u00fcrzten Pr\u00e4sidenten Mursi immer wieder vorbringen lautet: Er hatte ja nicht genug Zeit. Auch die Opposition h\u00e4tte die daniederliegende Wirtschaft innerhalb eines Jahres nicht wieder zum Laufen bringen k\u00f6nnen. Wer die Entwicklung des letzten halben Jahres miterlebt hat, wer gesehen hat, wie die Schlangen vor den Tankstellen t\u00e4glich l\u00e4nger wurden, wie die Preise explodierten, aber auch wie das \u00e4gyptische Pfund zusehends verfiel, der konnte es ahnen. Um einen Volksaufstand Mitte des Jahres vorauszusagen bedurfte jetzt nicht unbedingt besonders gro\u00dfer politischer Weitsicht. Ich pers\u00f6nlich hab mich vertan. Ich f\u00fcrchtete, dass es schon Ende April, Anfang Mai so weit sein k\u00f6nne. Es spricht eigentlich f\u00fcr die Duldsamkeit der \u00c4gypter, dass sie sich zwei Monate l\u00e4nger Zeit lie\u00dfen. Die permanenten Drohungen und Mordaufrufe der Regierungsanh\u00e4nger wirkten allerdings wie ein Katalysator \u2013 und rechtfertigen nat\u00fcrlich auch, dass Mursi und die Seinen davongejagt wurden.<\/p>\n<div id=\"attachment_575\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Miesweter.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-575\" class=\"size-medium wp-image-575\" alt=\"DUNKLE WOLKEN h\u00e4ngen derzeit noch \u00fcber der politischen Zukunft \u00c4gyptens.              Foto: psk\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Miesweter-300x273.jpg\" width=\"300\" height=\"273\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-575\" class=\"wp-caption-text\">DUNKLE WOLKEN h\u00e4ngen derzeit noch \u00fcber der politischen Zukunft \u00c4gyptens. Foto: psk<\/p><\/div>\n<p>Ist jetzt die Frage aller Fragen: Wie geht es weiter und wie will \u00c4gypten aus der desastr\u00f6sen wirtschaftlichen Situation herauskommen. Auf den ersten Blick scheint die Aufgabe zu gro\u00df und v\u00f6llig unl\u00f6sbar. Wenn man \u00fcberlegt, dass die Opposition unter anderem daran scheiterte, dass sie es nicht schaffte, sich auf irgendetwas zu einigen, dann sieht es ziemlich trostlos aus. Schon der Blick auf die, die da an einem Tisch sitzen und nun zusammenarbeiten m\u00fcssen verhei\u00dft wenig Gutes: Vertreter der Tamarod, eigentlich einer Jugendorganisation, und Salafisten, die Koptischen F\u00fchrer und Islamische Geistliche. Das werden sicher sehr lustige Gespr\u00e4chsrunden. Nat\u00fcrlich ist mit Blick auf die Vergangenheit scheinbar ein Ding der Unm\u00f6glichkeit, dass sich diese heterogene Gruppe auf schnelle und bitter notwendige Wirtschafts- und Gesellschaftsreformen einigt. Was auf \u00c4gypten zukommen k\u00f6nnte, zeigt sich ja schon\u00a0 jetzt an dem Hick-Hack um <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/aegypten1600.html\" target=\"_blank\">El Baradei<\/a> als m\u00f6glichen Premierminister.<\/p>\n<p>Doch vielleicht sind die Aussichten ja gar nicht so schlecht. Das liegt letztlich in den H\u00e4nden des Milit\u00e4rs. Auch wenn sich die Armee wieder in ihre Kasernen zur\u00fcckziehen wird, hat sie vermutlich\u00a0 den Schl\u00fcssel zur L\u00f6sung der Probleme in der Hand. Sie k\u00f6nnen die Regierung \u2013 wer immer sie stellen wird \u2013 f\u00f6rmlich kaufen. Und das meine ich ausnahmsweise nicht im schlechten oder korrupten Sinne. So kann die Armee zum Beispiel die L\u00f6hne ihrer Bediensteten erh\u00f6hen. Nehmen wir einmal an, die k\u00fcnftige Regierung braucht die Zustimmung der Salafisten f\u00fcr ein bestimmtes Projekt, doch die stellen sich quer. Wenn das Milit\u00e4r jetzt zum Beispiel seine Arbeiter in den Aluminuim-Werken in Ober\u00e4gypten besser bezahlt \u2013 falls die Salafisten dem Projekt zustimmen, dann werden sie genau dort von ihrer Basis entsprechenden Druck bekommen.<\/p>\n<p>Ob diese Beispiel jetzt 1:1 auf die Realit\u00e4t zu \u00fcbertragen ist, vermag ich nicht zu sagen. Aber das Beispiel soll zeigen, dass das Milit\u00e4r durch seine wirtschaftliche Potenz ja durchaus Gestaltungsm\u00f6glichkeiten besitzt, die es zum Wohle des Landes einsetzen kann \u2013 und langfristig wohl auch muss. Wenn die Armee das t\u00e4te, w\u00e4re es ja letztlich egal, ob sie weiterhin keine Steuern bezahlt oder irgendwann doch.<\/p>\n<p>Sollte es den Milit\u00e4rs gelingen, hinter den Kulissen ausgleichend zu wirken, dann wird auch schnell wieder ein wirtschaftliche Gesundung eintreten. Schon sollen die Schlangen an den Tankstellen nicht mehr ganz so lange sein, was ich von hier aus nicht seri\u00f6s beurteilen kann. Was ich aber beurteilen kann, dass ich morgen\u00a0 am Bankschalter auf dem Flughafen von Hurghada deutlich weniger \u00c4gyptische Pfund f\u00fcr meine Euros bekommen werde, als ich letzte Woche bekommen h\u00e4tte \u2013 behauptet zumindest ein W\u00e4hrungsrechner. Das mag vielleicht f\u00fcr mich jetzt nicht ganz so angenehm sein. F\u00fcr \u00c4gypten ist es dagegen eine sehr ermutigende Nachricht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Argument, das nicht nur Anh\u00e4nger des gest\u00fcrzten Pr\u00e4sidenten Mursi immer wieder vorbringen lautet: Er hatte ja nicht genug Zeit. Auch die Opposition h\u00e4tte die daniederliegende Wirtschaft innerhalb eines Jahres nicht wieder zum Laufen bringen k\u00f6nnen. 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