{"id":493,"date":"2012-12-03T19:25:29","date_gmt":"2012-12-03T18:25:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=493"},"modified":"2012-12-03T19:25:29","modified_gmt":"2012-12-03T18:25:29","slug":"orientalische-achterbahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/12\/03\/orientalische-achterbahn\/","title":{"rendered":"Orientalische Achterbahn"},"content":{"rendered":"<p>Hoffentlich wohnt dem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/deutsche-sterben-bei-busunfall-bei-hurghada-in-aegypten-a-870486.html\" target=\"_blank\">grauenhaften Unfall<\/a> vom Sonntag nicht eine schlimme Symbolik inne. Die beiden Minibusse krachten, soweit ich geh\u00f6rt habe,\u00a0 an der Abzweigung nach Soma Bay zusammen, also ausgerechnet dort, wo Au\u00dfenminister Guido Westerwelle normalerweise seinen Winterurlaub verbringt &#8211; und der musste am selben Tag wegen dieses Unfalls einen Krisenstab bilden. Angesichts der Situation im Land ist die Metaphorik schon ein wenig gespenstisch.<\/p>\n<div id=\"attachment_494\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/M\u00f6rderische-Ein\u00f6de.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-494\" class=\"size-medium wp-image-494\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/M\u00f6rderische-Ein\u00f6de-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/M\u00f6rderische-Ein\u00f6de-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/M\u00f6rderische-Ein\u00f6de-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/M\u00f6rderische-Ein\u00f6de-225x169.jpg 225w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/M\u00f6rderische-Ein\u00f6de-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/M\u00f6rderische-Ein\u00f6de.jpg 472w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-494\" class=\"wp-caption-text\">M\u00f6rderische Ein\u00f6de: Einige Kilometer n\u00f6rdlich von dieser Stelle ereignete sich auf dieser Stra\u00dfe der grauenhafte Unfall mit f\u00fcnf Toten. Foto: psk<\/p><\/div>\n<p>Die Stra\u00dfe, auf der der Unfall passierte, kenne ich ganz gut, weil ich im Sommer dort ein paar Mal unterwegs war. Die K\u00fcstenstra\u00dfe hat ja teilweise schon etwas von einer Orientalischen Achterbahn. Es geht auf und ab, und Nervenkitzel ist garantiert. Die Busse sind rasend schnell unterwegs, auch wenn nicht so ganz klar ist, was da hinter der n\u00e4chsten Kuppe oder Kurve jetzt so kommt. Theoretisch sollte da eigentlich gar nichts kommen, denn genau genommen handelt es sich bei der K\u00fcstenstra\u00dfe nicht um eine, sondern um zwei Einbahnstra\u00dfen. Im Grunde ist es ja eine Autobahn, nur dass die beiden Fahrbahnen bisweilen durch einen kilometerbreiten Mittelstreifen getrennt sind. Das ist insgesamt eine sinnvolle Einrichtung, denn dort, wo die Fahrstreifen so weit von einander getrennt sind, gibt es nicht mehr die entsetzlichen Frontalzusammenst\u00f6\u00dfe, f\u00fcr die \u00c4gypten ber\u00fchmt und ber\u00fcchtigt war.<\/p>\n<p>In fast jedem Artikel war nun wieder zu lesen, dass die \u00e4gyptischen Stra\u00dfen zu den gef\u00e4hrlichsten der Welt geh\u00f6ren. \u00dcber die Fahrweise der M\u00e4nner hinterm Steuer muss man nun wirklich kein Wort mehr verlieren. Andererseits stimmt es auch, dass in den vergangenen Jahren ein unglaublicher baulicher Aufwand getrieben wurde, um die Verkehrssicherheit zu verbessern &#8211; gerade in der W\u00fcste. Hunderte von Kilometern geradeaus durch eine grandiose Ein\u00f6de machen einen Fahrer jetzt auch nicht gerade aufmerksamer. Am Unfallort wird dieser Aufwand sehr deutlich. Wer von Hurghada kommt, kann nicht einfach links nach Soma Bay abbiegen. Bis vor einiger Zeit war das noch m\u00f6glich. Inzwischen muss der Fahrer fast einen Kilometer weiter in Richtung Safaga fahren, ehe er auf die Gegenspur wechseln und zur\u00fcck fahren kann. Auf Google-Maps ist noch sehr gut zu erkennen, wie die Verkehrssituation vorher aussah. Da gab es tats\u00e4chlich eine Linksabbiegerspur, und wer nach Soma Bay wollte, musste die Gegenfahrbahn kreuzen! Bei Gegenverkehr, der oft mit \u00fcber 100 km\/h unterwegs war.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie sich der Unfall tats\u00e4chlich abgespielt hat, aber ich habe eine Vermutung. Da es so aussieht, als sei der eine Minibus seitlich in den anderen gekracht, k\u00f6nnte wohl ein aus Soma Bay kommender Bus bei der Auffahrt zur K\u00fcstenstra\u00dfe den anderen Bus buchst\u00e4blich abgeschossen haben. Das ist aber, wie gesagt, nur eine Vermutung. Wenn es wirklich so war, dann n\u00fctzen nat\u00fcrlich alle baulichen Ma\u00dfnahmen nichts.<\/p>\n<p>Es ist ja nicht so, dass in dem Land Probleme nicht erkannt werden. Es ist auch nicht so, dass nicht versucht w\u00fcrde, bei Problemen Abhilfe zu schaffen. Aber was hilft das alles, wenn sich die Mentalit\u00e4t nicht \u00e4ndert? Da kann ein Vollidiot im Hurghada mit seinem Taxi am Hadaba mit Vollgas aus der Kurve fliegen und direkt in einem Caf\u00e9 landen &#8211; seine Kollegen fahren an der Caf\u00e8-Ruine im gleichen m\u00f6rderischen Tempo vorbei. Sie wissen ganz genau, dass sie genau so aus der Kurve fliegen k\u00f6nnen. Es schert sie aber nicht. Allah wird&#8217;s schon richten.<\/p>\n<p>Und damit kommen ich zur jetzigen Situation. Es scheint mir so, dass ich in meiner Einsch\u00e4tzung von Pr\u00e4sident Mursi dann doch falsch lag. Das allerdings \u00e4ndert ja nichts an der Analyse der Situation und an den Problemen, vor denen das Land steht. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass m\u00f6glichst schnell strukturelle Entscheidungen getroffen werden m\u00fcssen (Lebensmittelversorgung, Energie, Infrastruktur). Und es l\u00e4sst sich auch schlecht wegdiskutieren, dass Mursi der einzige gew\u00e4hlte Pr\u00e4sident ist. Ergo muss er die Entscheidungen treffen. Aber dieser Machtpoker geht dann doch zu weit. Vor allem wird er dem Land schaden. Eines habe ich allerdings auch immer gesagt: Mursis wichtigste Aufgabe wird es sein, das Land zu einen. Jetzt tut er genau das Gegenteil.<\/p>\n<p>Allerdings darf man bei all der berechtigten Kritik an Mursi auch eines nicht \u00fcbersehen. Die S\u00e4kularen, die Liberalen und die Kopten haben sich in beiden Kammern vom Acker gemacht. Nat\u00fcrlich sind sie immer \u00fcberstimmt worden. Aber das ist nun mal in einer Demokratie so, dass einer die Mehrheit besitzt und der andere in die R\u00f6hre schaut. Die Bereitschaft, dicke Bretter zu bohren, zu verhandeln, immer wieder zu reden und\/oder stabile B\u00fcndnisse zu schmieden ist in \u00c4gypten nicht besonders ausgepr\u00e4gt (dabei k\u00f6nnen sie doch angeblich so gut handeln!). Ich erinnere nur an den \u00c4gyptischen Block. Es ist eben immer noch einfacher, eine Demonstration zu organisieren, als eine Mehrheit. Und damit sind wir wieder auf der Stra\u00dfe angelangt.<\/p>\n<p>Egal ob auf den Tahrir- oder dem <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/aegypten1266.html\" target=\"_blank\">Nahada-Platz<\/a>. Mit kommen beide Gruppen im Moment so vor, wie zwei Minibusfahrer, die sich ein m\u00f6rderisches Rennen liefern. Eigentlich wissen beide ganz genau, dass es irrsinnig gef\u00e4hrlich ist, was sie gerade veranstalten. Aber es schert sie nicht &#8211; so lange nicht, bis es knallt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hoffentlich wohnt dem grauenhaften Unfall vom Sonntag nicht eine schlimme Symbolik inne. 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