{"id":413,"date":"2012-07-13T13:20:09","date_gmt":"2012-07-13T11:20:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=413"},"modified":"2012-07-13T13:20:09","modified_gmt":"2012-07-13T11:20:09","slug":"die-sind-doch-alle-gleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/07\/13\/die-sind-doch-alle-gleich\/","title":{"rendered":"Die sind doch alle gleich"},"content":{"rendered":"<p>Ist das nicht komisch? Der Satz &#8222;Alle Menschen sind gleich&#8220; klingt sch\u00f6n, klingt v\u00f6lkerverbindend und politisch korrekt. Man ersetze nun das Wort Menschen durch Moslems. &#8222;Alle Moslems sind gleich.&#8220; Das klingt schon weniger sch\u00f6n. Das impliziert, alle Moslems seien potentielle Terroristen, und der Satz m\u00fcffelt auch ein wenig nach Rassismus. Trotzdem habe ich diesen Satz gestern Abend von einer Bekannten geh\u00f6rt, die ganz und gar nicht im Ruch steht, rassistisch zu sein. Es ging um den arabischen Fr\u00fchling um die Revolutionen in Tunesien, Libyen und \u00c4gypten \u2013 und nat\u00fcrlich um den B\u00fcrgerkrieg in Syrien.<\/p>\n<p>Ihre These klang ziemlich einfach. Egal, was wo in welchem Land in Arabien passiert, am Ende wird sich der Islamismus in seiner radikalen Weise durchsetzen\u00a0\u2013 also in Form zum Beispiel des Salafismus&#8216;. Daf\u00fcr bekam sie am Tisch auch noch entsprechende Unterst\u00fctzung. Ich wandte ein, dass man dann genausogut bei der Euro- und Finanzkrise L\u00e4nder wie Finnland und Griechenland, Holland und Spanien, Irland und \u00d6sterreich oder Frankreich und Deutschland in einen Topf werfen k\u00f6nnte\u00a0\u2013 sind ja alles Europ\u00e4er. Tats\u00e4chlich gibt es in all diesen L\u00e4ndern v\u00f6llig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Krise zu l\u00f6sen sein und sehr kontroverse Auseinandersetzungen dar\u00fcber.<\/p>\n<p>In den arabischen L\u00e4ndern sieht es nicht viel anders aus. So sind zum Beispiel die jungen Monarchen Mohammed VI. von Marokko und Abdallah II. von Jordanien mit der Arabellion ganz anders umgegangen, als zum Beispiel Bashir al-Assad in Syrien. Das Ergebnis d\u00fcrfte sogar den meisten Europ\u00e4ern bekannt sein. Nat\u00fcrlich gibt es auch in Marokko und in Jordanien eine gr\u00f6\u00dfere Hinwendung zur Religion, aber von einem islamistischen Gottestaat sind beide L\u00e4nder wohl weit entfernt.<\/p>\n<p>Das gleich gilt auch f\u00fcr \u00c4gypten. Moslembr\u00fcder hin oder her. Am vergangenen Dienstag ging es in der ARD-Talkshow <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/das-erste\/hart-aber-fair\/21-00-besser-wegschauen-und-stillhalten-darf-uns-syrien?documentId=11083714\" target=\"_blank\">&#8222;Hart aber fair&#8220;<\/a> weitgehend um Syrien, doch einen betr\u00e4chtlichen Teil der Sendung machte auch \u00c4gypten aus. Unter anderem war der deutsche Lehrer G\u00fcnter F\u00f6rschner eingeladen, der an einer deutschen M\u00e4dchenschule in Alexandria unterrichtet. Er war schon ein Jahr zuvor Gast bei Frank Plasberg gewesen. Nun bezeichnete der Lehrer die Moslembr\u00fcder als gr\u00f6\u00dftes Risiko f\u00fcr die Demokratisierung in \u00c4gypten. Prompt handelte er sich Widerspruch vom ARD-Korrespondeten <a href=\"http:\/\/korrespondenten.tagesschau.de\/author\/jarmbruster\/\" target=\"_blank\">J\u00f6rg Armbruster<\/a> ein. Es sei tats\u00e4chlich der Milit\u00e4rrat der die Demokratisierung des Landes gef\u00e4hrde. Armbruster gab zu, dass er die Moslembr\u00fcder auch nicht besonders sch\u00e4tze, aber dass sie immerhin als Sieger aus der ersten freien demokratischen Wahl in diesem Land hervorgegangen sind, das es jetzt auch schon 7.000 Jahre gebe.<\/p>\n<p>Niemand kann seri\u00f6s voraussagen, wie sich der arabische Fr\u00fchling wirklich entwickeln wird. Die einzige Prognose, die mit Sicherheit eintreten wird, ist die, dass es eben in jedem Land unterschiedlich passieren wird. Es in in letzter Zeit Mode geworden, Tunesien und \u00c4gypten, so wie ihren Weg zur Demokratie zu vergleichen und das Urteil f\u00e4llt h\u00e4ufig sehr undifferenziert aus. In beiden L\u00e4ndern h\u00e4tten die Religi\u00f6sen die Revolution f\u00fcr sich gekapert und w\u00fcrden das Land nun wenn nicht in einen Gottesstaat, so doch zu einem autokratischem Regime f\u00fchren. Das gleiche wurde auch f\u00fcr Libyen vorhergesagt. Dumm gelaufen, denn bei den Wahlen vor wenigen Tagen gab es eben keinen haushohen Sieg von Gotteskriegern, sondern einne Erfolg der Liberalen.<\/p>\n<p>Und dann noch zu der wohlfeilen Legende der ersten freien Wahlen in arabischen L\u00e4ndern. Nein, die waren kein Produkt des arabischen Fr\u00fchlings und kein Demokratiegeschenk der Amerikaner im besetzten Irak. Gerne wird in Europa unterschlagen, dass es bereits vor 20 Jahren in Algerien freie Parlamentswahlen gab, die dann allerdings \u2013 auch auf massiven Druck Frankreichs\u00a0\u2013 abgebrochen wurden, weil sich ein Sieg der islamistischen Partei FIS abzeichnete. Was sollen also die Araber von den Europ\u00e4ern denken? Ja, von den Europ\u00e4ern! Oder ist etwa bekannt, dass der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl\u00a0\u2013 noch v\u00f6llig besoffen vom Rausch der Wiedervereinigung\u00a0\u2013 seinem Freund Fran\u00e7ois Mitterand in den Arm gefallen w\u00e4re, um diesen Anschlag auf die Demokratie zu verhindern? Nein! Die Wahlen wurden annuliert. Diese Aktion hat das Land in einen B\u00fcrgerkrieg gest\u00fcrzt, dem 120.000 Algerier zum Opfer fielen. Heute ist Algerien ein autorit\u00e4rer Staat, bar jeglicher Demokratie, an dem der arabische Fr\u00fchling einigerma\u00dfen wirkungslos vorbeigegangen ist. Allerdings hat das Land auch einen Pr\u00e4sidenten Bouteflica, der die Algerier miteinander auszus\u00f6hnen versucht.<\/p>\n<p>Der ehmalige israelische Botschafter in der Bundesrepublik, Avi Primor, hat in &#8222;Hart aber fair&#8220; \u00fcbrigens noch auf einen sehr interessanten Aspekt aufmerksam gemacht. Als vor zehn Jahren in der T\u00fcrkei die islamische AKP an die Macht kam, gelang es ihr relativ schnell, die Macht der Milit\u00e4rs, die seit 40 Jahren faktisch die T\u00fcrkei beherrscht hatten, zu brechen. Und es gelang ihnen, einen gigantischen Wirtschaftsaufschwung hinzulegen, mit einem j\u00e4hrlichen Wachstum von neun bis zehn Prozent. Niemand w\u00fcrde heute daran zweifeln, dass die T\u00fcrkei eine moderne Demokratie ist, auch wenn aus Ankara manchmal ein merkw\u00fcrdiges Brummeln kommt. Im Endeffekt, so glaubt Primor, gehe es ja dann doch immer nur um die Wirtschaft. Oder, wie der fr\u00fchere US-Pr\u00e4sident Bill Clinton einmal einem Konkurrenten im Wahlkampf an den Kopf warf: &#8222;It&#8217;s the economics, stupid!&#8220;\u00a0\u2013 &#8222;Es geht um die Wirtschaft, Idiot!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist das nicht komisch? Der Satz &#8222;Alle Menschen sind gleich&#8220; klingt sch\u00f6n, klingt v\u00f6lkerverbindend und politisch korrekt. Man ersetze nun das Wort Menschen durch Moslems. &#8222;Alle Moslems sind gleich.&#8220; Das klingt schon weniger sch\u00f6n. 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