{"id":392,"date":"2012-06-21T14:40:35","date_gmt":"2012-06-21T12:40:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=392"},"modified":"2012-06-21T14:40:35","modified_gmt":"2012-06-21T12:40:35","slug":"agypten-und-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/06\/21\/agypten-und-griechenland\/","title":{"rendered":"\u00c4gypten und Griechenland"},"content":{"rendered":"<p>Es war eine kleine, aber feine Lesung gestern Abend im <a href=\"http:\/\/www.k-salon.de\/\" target=\"_blank\">K-Salon<\/a> in der Kreuzberger Bergmannstra\u00dfe. Interessanterweise kam die die Diskussion dann auch irgendwann auf Griechenland, aber nicht etwa wegen der Euro-Krise oder dem bevorstehenden Halbfinale gegen Deutschland. Es ging um das Verh\u00e4ltnis zwischen \u00c4gypten und Griechenland, das seit der Antike ein traditionell gutes ist. Herodot hat gleich zwei seiner Weltwunder in \u00c4gypten angesiedelt. Der Handel zwischen Alexandria und Pir\u00e4us war stets sehr lebendig. Griechische und \u00e4gyptische Kultur standen in regem Austausch. Die zweitgr\u00f6\u00dfte \u00e4gyptische Stadt ist eine Gr\u00fcndung Alexander des Gro\u00dfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Griechen wurde \u00c4gypten auch zu einer zweiten Heimat. Bis vor sechzig Jahren war ein gro\u00dfer Teil der Gastronomie und Hotelerie fest in griechischer Hand. Kellner waren fast ausnahmslos Griechen und wurden in Restaurants traditionell herbeigeklatscht, so dass in \u00c4gypten ein Sprichwort entstand: &#8222;Klatsch in die Hand, und ein Grieche kommt gerannt.&#8220; In jener Zeit lebten rund 300.000 Griechen in \u00c4gypten.<\/p>\n<p>Das \u00e4nderte sich mit der Revolution von 1952 und der sp\u00e4teren Macht\u00fcbernahme von Gamal Abdel Nasser. Im Zuge der Verstaatlichung verloren viele griechischen Hoteliers ihre H\u00e4user und am Ende flogen die 300.000 Griechen aus dem Land. Trotzdem gibt es bis heute eine starke gegenseitige Affinit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wer mir bis hierher gefolgt ist, mag sich vielleicht fragen, was diese Lobpreisung der \u00e4gyptisch-griechischen Beziehungen soll. Doch gerade in diesen Tagen kann das eine ganz entscheidende Rolle spielen. Wenn wir die Uhr um etwa ein Jahr zur\u00fcckdrehen und uns daran erinnern, was im libyschen B\u00fcrgerkrieg passierte, wird es schnell klar. Tausende Fl\u00fcchtlinge versuchten \u00fcbers Mittelmeer nach Italien zu kommen. Schon da tauchte die Frage auf, ob Europa denn die vielen(!) Fl\u00fcchtlingen aufnehmen k\u00f6nne. Die italienische Regierung wollte sie \u00fcber ganz Euorpa verteilen, das Schengen-Abkommen war pl\u00f6tzlich in Gefahr.<\/p>\n<p>Dass die Situation in \u00c4gypten in diesen Tagen sehr ernst ist, wird niemand bestreiten. Es wird wohl kaum zu einem B\u00fcrgerkrieg wie in Libyen kommen, aber die \u00e4gyptische Wirtschaft steht vor dem Kollaps. Es ist also gar nicht so ausgeschlossen, dass sich irgendwann auch von \u00c4gypten aus Fl\u00fcchtlinge in Richtung Europa aufmachen. Aus historischen, kulturellen und geografischen Gr\u00fcnden wird ihr erstes Ziel ausgerechnet Griechenland sein &#8211; so wie es vor einem Jahr Italien f\u00fcr fl\u00fcchtende Libyer war.<\/p>\n<p>So! Und nun verdeutlichen wir uns einmal die Gr\u00f6\u00dfenordnungen: Libyen hat 6,5 Millionen Einwohner, Italien zehn mal so viel. Italien ist zwar auch nicht das ges\u00fcndeste Land Europas, aber Italien geht es verglichen mit Griechenland immer noch relativ gut.\u00a0 Aber der heftigste Vergleich: Es gibt 10 Millionen Griechen, aber 85 Millionen \u00c4gypter. Aus Lybien sind im vergangenen Jahr einige Zig-Tausend Menschen geflohen. Wieviele w\u00fcrden im schlimmsten Fall aus \u00c4gypten fliehen? Sollte \u00c4gypten tats\u00e4chlich zusammenkrachen, dann, so f\u00fcrchte ich, k\u00f6nnen sich die europ\u00e4ischen Politiker jede Konferenz \u00fcber irgendwelche Rettungsschirme f\u00fcr Griechenland einfach mal sparen.<\/p>\n<p>Das ist vielleicht ein sehr pessimistische Szenario. Ich hoffe nat\u00fcrlich auch, dass es nicht so schlimm kommt. Aber es zeigt doch eines ganz deutlich. \u00dcber all die Diskussionen \u00fcber Euro-Rettung und Griechenlandhilfe sollte man eines nicht vergessen: Wenn \u00c4gypten in dieser Phase vollends ins Chaos st\u00fcrzt, dann kann das \u00e1 la longe die Europ\u00e4er und den Rest der Welt viel teurer zu stehen kommen, als jeder Rettungsfond.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine kleine, aber feine Lesung gestern Abend im K-Salon in der Kreuzberger Bergmannstra\u00dfe. 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