{"id":374,"date":"2012-05-31T17:11:53","date_gmt":"2012-05-31T15:11:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=374"},"modified":"2012-05-31T17:11:53","modified_gmt":"2012-05-31T15:11:53","slug":"mit-sicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/05\/31\/mit-sicherheit\/","title":{"rendered":"Mit Sicherheit"},"content":{"rendered":"<p>Fast jeden Tag werde ich gefragt, wie es um die Sicherheit von Touristen in \u00c4gypten bestellt ist. Da kommen nat\u00fcrlich Nachrichten wie <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/reisen\/reisefuehrer\/nordafrika\/aegypten-zwei-touristen-auf-dem-sinai-entfuehrt_aid_760708.html\">diese<\/a>, nach der heute zwei amerikanische Touristen auf dem Sinai entf\u00fchrt wurden, immer sehr g\u00fcnstig. Deshalb will ich mal diesen \u2013\u00a0durchaus exemplarischen Fall \u2013\u00a0zum Anlass nehmen, einige grunds\u00e4tzliche Dinge zum Thema Sicherheit der Touristen klarzustellen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war die allgemeine Sicherheitslage vor der Revolution besser. Aber woran lag das denn? Es lag daran, dass die Polizei zuvor tun und lassen konnte was sie wollte, dass die gef\u00fcrchtet war, und dass sie ihre Macht oft auch leidlich ausnutzte. Als Anfang der 90er Jahre die Terrororganisation Gamaa al Islamiyya auf ihren ersten Feldzug gegen die Touristen ging, kam das bei der Bev\u00f6lkerung gar nicht gut an. Die Gamaa stoppte die Anschl\u00e4ge auf Reisebusse und verk\u00fcndete, jeden Tag einen Polizisten t\u00f6ten zu wollen. Da erhob sich komischerweise kein Sturm der Entr\u00fcstung. Warum wohl?<\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend der Revolution ist die Polizei weitgehend abgetaucht. So langsam l\u00e4sst sie sich wieder blicken, und wer uniformiert ist und den Stra\u00dfenverkehr regelt, ist nun nett, freundlich und zuvorkommend. Nur nicht anecken, scheint die Devise bei den Beamten zu sein. Die Verkehrsdisziplin, die in \u00c4gypten noch nie besonders ausgepr\u00e4gt war, ist nun v\u00f6llig auf den Hund gekommen. Und an diesem Punkt muss ich eines zugeben: Nie war es f\u00fcr einen Touristen gef\u00e4hrlicher, die Stra\u00dfe zu \u00fcberqueren, als in diesen Tagen. Allerdings \u2013\u00a0ungef\u00e4hrlich war es auch noch nie.<\/p>\n<p>Wieviele von den rund 4.000 Schwerverbrechern, die w\u00e4hrend der Revolution rausgelassen wurden, um das Land zu destabilisieren, inzwischen wieder hinter Gittern sitzen, kann ich leider nicht sagen. Dass \u00c4gyptens Verbrecherelite mindestens zum Teil noch auf freiem Fu\u00df ist, macht die allgemeine Sicherheitslage im Land auch nicht gerade besser.<\/p>\n<p>Trotzdem merken die Touristen von all dem eigentlich relativ wenig. Das ist ziemlich erstaunlich, denn gerade dort, wo sich aus der Sicht des gemeinen \u00c4gypters Geld und Reichtum im \u00dcberfluss befinden \u2013\u00a0n\u00e4mlich den Urlaubsgebieten \u2013\u00a0scheint es am sichersten im ganzen Land zu sein. Die Erkl\u00e4rung ist \u2013\u00a0zumindest f\u00fcr mich \u2013\u00a0relativ einfach. Jeder, aber auch wirklich jeder \u00c4gypter f\u00fchlt sich f\u00fcr seine G\u00e4ste, die ihn in seinem Land besuchen, verantwortlich und versucht ihn mit allen M\u00f6glichkeiten zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle w\u00e4re der Einwand angebracht: Aber was ist mit diesen Entf\u00fchrern auf dem Sinai? Wenn ich nun behauptete, dass das keine \u00c4gypter seien, dann h\u00e4tte das m\u00f6glicherweise einen rassistischen Ruch. Ich sag es trotzdem, weil sie es n\u00e4mlich selbst so sehen. Wenigstens die Beduinen auf dem Sinai empfinden sich selbst nicht als \u00c4gypter, sondern als Menschen, die eben notgedrungen in diesem merkw\u00fcrdigen Staatssytem leben. Seit dem Ende des Mubarak-Regimes kommt es immer wieder zu solchen Entf\u00fchrungen. Kurios war die kurzeitige Entf\u00fchrung von sechs Deutschen im Januar. Da forderten die Entf\u00fchrer eine Widerholung der Parlamentswahl f\u00fcr die Provinz. Der Gouverneur gab nach.<\/p>\n<p>Das alles erinnert sehr an den Jemen vor einigen Jahren. Immer wieder wurden dort Touristen \u2013\u00a0wohl auch von Beduinen \u2013\u00a0entf\u00fchrt. Jedesmal wurden Krisenst\u00e4be gegr\u00fcndet, und es gab em Werderschen Markt eine gro\u00dfe Betriebssamkeit und Hektik \u2013\u00a0soweit die Entf\u00fchrungsopfer Deutsche waren. Nicht selten tauchten die Entf\u00fchrten nach ein paar Tagen begeistert wieder auf und erz\u00e4hlten, sie seien zu einer beduinischen Hochzeit eingeladen worden, und ihre Gastgeber h\u00e4tten sie gar nicht mehr gehen lassen. Dass sie Opfer einer Entf\u00fchrung geworden waren, hatten sie oft nicht einmal bemerkt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wurde in der Zwischenzeit um eine neue Stra\u00dfe f\u00fcr das Dorf oder um eine Schule verhandelt. Komischerweise endete das vermeintliche Fest immer genau dann, wenn die Verhandlungen erfolgreich verlaufen waren. Was f\u00fcr die einen ein gro\u00dfes folkloristisches Ereignis war, bedeutete f\u00fcr die anderen einen hochkriminellen Akt.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie es den beiden Amerikanern auf dem Sinai geht und ob f\u00fcr sie eine \u00e4hnliche Folklore-Kulisse aufgebaut wird. Ich glaube es nicht. Allerdings geht es in dem vorliegenden Fall offenbar weniger um eine Schule oder um Wahlbetrug. Scheinbar will ein Clan einen Drogenschmuggler aus seinen Reihen befreien. Allerdings ist auf diese offizielle Verlautbarung wenig zu geben. Die &#8222;Tatsache&#8220;, dass es sich um einen Drogenschmuggler handelt, muss auch nicht unbedingt stimmen.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur allgemeinen Sicherheitslage. Aus dem vorliegenden Fall lernen wir, dass es zur Zeit vielleicht sicherer ist, in Hurghada, El Gouna, Makadi oder Soma Bay Urlaub zu machen, als in Sharm el Sheik, Nuweiba oder Dahab. Wer trotzdem auf den Sinai will, bleibe besser im Hotel oder gehe lieber nur in gr\u00f6\u00dferen Gruppe und lasse sich auf keinen Fall auf besondere (und besonders g\u00fcnstige) Touren nach Was-wei\u00df-ich-wohin ein, die einem ein Wildfremder wie Kai aus der Kiste anbietet.<\/p>\n<p>Ein Wort noch zu Kairo: Ja, man kann nach Kairo fahren, man kann auch die Pyramiden und wohl auch die Zitadelle besuchen. Beim \u00c4gyptischen Museum w\u00e4re ich pers\u00f6nlich etwas vorsichtig, weil es eben direkt am Tahrir-Platz liegt, und das ist nach wie vor der Haupt-Demonstrationsort des Landes.<\/p>\n<p>Ist es dort wirklich so schlimm? Ich will&#8217;s mal so sagen. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich jedem \u00c4gypter zu einem Besuch Berlins raten. Er sollte dann auch ganz sicher einen Abstecher nach Kreuzberg machen. Sollte er aber aus irgendeinem Grund ausgerechnet am 1. Mai abends um halb sieben den Kotti besuchen wollen, w\u00fcrde ich ihm doch auch sagen, dass das zu diesem Zeitpunkt keine besonders tolle Idee sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast jeden Tag werde ich gefragt, wie es um die Sicherheit von Touristen in \u00c4gypten bestellt ist. Da kommen nat\u00fcrlich Nachrichten wie diese, nach der heute zwei amerikanische Touristen auf dem Sinai entf\u00fchrt wurden, immer sehr g\u00fcnstig. Deshalb will ich &hellip; <a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/05\/31\/mit-sicherheit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[14,21,48,51,69,71,84,91,113,155,173,182,183,186,195,232,247,254,260,262,275,278,280,281,294,306],"class_list":["post-374","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-agypten","tag-agyptisches-museum","tag-beduinen","tag-berlin","tag-dahab","tag-demonstration","tag-el-gouna","tag-entfuhrung","tag-gamaa-al-islamiyya","tag-hurghada","tag-kairo","tag-kottbusser-tor","tag-kotti","tag-kreuzberg","tag-makadi","tag-nuweiba","tag-polizei","tag-pyramiden","tag-reisewarnung","tag-revolution","tag-sharm-el-sheik","tag-sicherheit","tag-sinai","tag-soma-bay","tag-tahrir-platz","tag-tourismus"],"wp-worthy-pixel":{"ignored":false,"public":"89b376663b674355b5e7f4b4668f388e","server":"vg04.met.vgwort.de","url":"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/89b376663b674355b5e7f4b4668f388e"},"wp-worthy-type":"normal","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=374"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/374\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}