{"id":288,"date":"2012-04-17T13:07:05","date_gmt":"2012-04-17T11:07:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=288"},"modified":"2012-04-17T13:07:05","modified_gmt":"2012-04-17T11:07:05","slug":"die-buecher-der-buecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/04\/17\/die-buecher-der-buecher\/","title":{"rendered":"Die B\u00fccher der B\u00fccher"},"content":{"rendered":"<p>Zwar fiebern wir nun alle der Auslieferung von Koulou Tamam entgegen, aber \u00fcbers Wochenende hat mich dann doch noch aus aktuellem Anlass ein ganz anderes Buch besch\u00e4ftigt. Deutsche Salafisten haben in deutschen St\u00e4dten den Koran verteilt. Das hat vor allem bei Konservativ-Christlichen f\u00fcr betr\u00e4chtliche Aufregung gesorgt. Ich muss gestehen, dass ich das eine f\u00fcr so verfehlt halte wie das andere.<\/p>\n<p>Vorab m\u00f6chte ich allerdings noch etwas klar stellen. Es ist wohl auch in diesem Blog deutlich geworden, dass ich vor dem Islam einen hohen Respekt habe und dass ich sogar glaube, dass der Koran in bestimmten Dingen klarer und fortschrittlicher ist, als das neue Testament.<\/p>\n<p>Warum ich die Aktion der Salafisten f\u00fcr verfehlt halte, ist relativ einfach zu erkl\u00e4ren: Weil sie ihren eigenen Anspr\u00fcchen komplett widerspricht. Der Koran ist nicht interpretierbar und soll deshalb nur im hocharabischen Original gelesen werden. Vor allem die Salafisten, die sich als Gralsh\u00fcter des wahren islamischen Glaubens betrachten, legen doch so viel Wert darauf, dass solche Regeln eingehalten werden. Die \u00dcbersetzung ist vom Zentralrat der Muslime autorisiert, und da die \u00dcbersetzung keine \u00dcbersetzung sein darf, hilft man sich in diesem Fall mit einem rhetorischen Salto Mortale und einem theologischen Beipackzettel, der die \u00dcbersetzung kurzerhand zu einer Beschreibung des Korans erkl\u00e4rt. Kann man machen &ndash; als pragmatischer aufgeschlossener Muslim. Doch warum sind solche Purzelb\u00e4ume \u00fcberhaupt notwendig? Weil es eben Fundamentalisten gibt, die peinlich darauf achten, dass zum Beispiel der Koran nicht durch eine \u00dcbersetzung interpretiert wird. Und jetzt springen die Salafisten auf den pragmatischen Zug auf? Das ist l\u00e4cherlich.<\/p>\n<p>Es ist nicht weniger l\u00e4cherlich, als die hysterischen Reaktionen deutscher Christen auf die kostenlose Verteilung des Korans (oder seiner deutschen Interpretation). Der Koran an sich ist nicht mehr oder weniger verfassungsfeindlich als die Bibel. Auf den Jesuiten und Wanderprediger Pater Johannes Leppich SJ geht der Brauch zur\u00fcck, dass in vielen deutschen Hotels ein Neues Testament in der Nachttischschublade liegt &ndash; das auch gerne mitgenommen werden kann. Dar\u00fcber hat sich nie jemand aufgeregt &ndash; obwohl Pater Leppich den wenig schmeichelhaften Spitznamen &#8222;das Maschinengewehr Gottes\u201c trug. Auf protestantischer Seite ist es der Gideon-Bund, der bis heute Bibeln grunds\u00e4tzlich kostenlos unters Volk bringt. Nat\u00fcrlich darf man die Frage stellen, was jemandem passieren w\u00fcrde, der in Medina kostenlos Bibeln verteilen w\u00fcrde. Eben! Gerade dass bei uns der Koran ungehindert verteilt werden kann, unterscheidet uns ja von Saudi Arabien.<\/p>\n<p>Lasst die Menschen doch den Koran lesen und lasst sie vergleichen. Ist denn der christliche Gedanke so schwach, dass er sich vor dem islamischen verstecken m\u00fcsste? Ist das laute Geschrei um die Koranverteilung nicht ein Armutszeugnis, ein Zeugnis der Schw\u00e4che und bedeutet es nicht letztendlich Glaubensarmut?<\/p>\n<p>So sehr ich auch den Islam respektiere, so wenig k\u00e4me er f\u00fcr mich als Glaubensalternative allerdings in Frage. Bei aller Schuld, die verschiedenen Kirchen und Konfessionen in den letzten 2.000 Jahren auf sich geladen haben m\u00f6gen, eins steht doch fest. Das Christentum wurde 300 Jahre lang von freundlichen, friedlichen Menschen v\u00f6llig gewaltlos verbreitet, von Menschen, die bereit waren, f\u00fcr ihren Glauben widerstandslos zu sterben. M\u00e4rtyrer sind im christlichen Sinn gewaltlose Glaubenszeugen. Im aktuellen islamistischen Kontext sind M\u00e4rtyrer Menschen, die sich Sprengstoffg\u00fcrtel umbinden, um damit andere Menschen in die Luft zu sprengen. Keine Frage, welche Art von M\u00e4rtyrer ich vorziehe. Was nun die Ausbreitung des jeweiligen Glaubens in den ersten drei Jahrhunderten betrifft, da hatte das Christentum keinerlei Waffen n\u00f6tig, und es verbreitete sich trotzdem wie ein Lauffeuer. Auch der Islam verbreitete sich rasend schnell, allerdings fast \u00fcberall unter der Zuhilfenahme von Krumms\u00e4beln.<\/p>\n<p>Gerade Salafisten nehmen gerne das Wort von den \u201eKreuzz\u00fcglern\u201c in den Mund. Ironischerweise ist es ausgerechnet ein Kreuzzug, der den Weg f\u00fcr ein gedeihliches Miteinander zwischen Christen und Moslems weist. Im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kreuzzug_Friedrichs_II.\" target=\"_blank\">F\u00fcnften Kreuzzug<\/a> gelang es dem \u00e4gyptischen Sultan Al Kamil Muhammad al Malik und dem deutschen Kaiser Friedrich II., einen Weg des Ausgleiches ohne Blutvergie\u00dfen zu beschreiten. Und das war nur auf der Basis des Respekts und der gegenseitigen Anerkennung m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwar fiebern wir nun alle der Auslieferung von Koulou Tamam entgegen, aber \u00fcbers Wochenende hat mich dann doch noch aus aktuellem Anlass ein ganz anderes Buch besch\u00e4ftigt. 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