{"id":266,"date":"2012-03-19T14:41:30","date_gmt":"2012-03-19T13:41:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=266"},"modified":"2012-03-19T14:41:30","modified_gmt":"2012-03-19T13:41:30","slug":"der-tod-des-patriarchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/03\/19\/der-tod-des-patriarchen\/","title":{"rendered":"Der Tod des Patriarchen"},"content":{"rendered":"<p>Der Papst ist tot &ndash; nicht der in Rom, sondern der Patriarch von Alexandrien, Schenuda III. 88 Jahre alt ist er geworden. Er ist damit vier Jahre \u00e4lter als sein katholischer Kollege, dem er in seiner konservativen Einstellung in nichts nachstand. Ja, im Gegenteil. Mir sagte mal ein \u00c4gypter, dass Benedikt XVI. im Vergleich zu Schenuda ein progressiver Eiferer sei.<\/p>\n<div id=\"attachment_268\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/shenouda.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-268\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/shenouda-199x300.jpg\" alt=\"\" title=\"Schenuda III. Foto: Chuck Kennedy\" width=\"199\" height=\"300\" class=\"size-medium wp-image-268\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-268\" class=\"wp-caption-text\">Schenuda III. Foto: Chuck Kennedy<\/p><\/div>\n<p>Durch Schenudas Tod richtet sich der Blick nun verst\u00e4rkt auf die Kopten in \u00c4gypten, die immerhin rund zehn Prozent der \u00e4gyptischen Bev\u00f6lkerung ausmachen. Und diese Minderheit ist sicher eine genauere Betrachtung Wert. Bei den Kopten handelt es sich um eine durchaus sehr selbstbewu\u00dfte Gruppe innerhalb der Bev\u00f6lkerung &ndash; was immer wieder zu Spannungen und gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen mit Moslems f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Kopten begreifen sich als Ureinwohner \u00c4gyptens, deren Wurzeln bis in die Zeit der Pharaonen zur\u00fcckreichen. Den christlichen Glauben hatte ihnen der Evangelist Markus gebracht, der erste Bischof von Alexandria. So sagen die Kopten auch von sich, sie seien die \u00e4lteste christliche Kirche. \u00c4lter noch als die r\u00f6misch-katholische. Erst 500 Jahre sp\u00e4ter eroberten die Araber \u00c4gypten, und mit ihnen kam der Islam. F\u00fcr manchen Kopten sind 90 Prozent der Bev\u00f6lkerung nichts anderes als Eroberer. Mischehen zwischen Kopten und Moslems sind bei den Christen ebenso verp\u00f6nt und verboten, wie bei ihren islamischen Mitb\u00fcrgern. Gerade an diesem Punkt entz\u00fcnden sich immer wieder gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen.<\/p>\n<p>In der fast 30 Jahren Regierungszeit unter Hosni Mubarak hat es vergleichsweise wenig blutige Auseinandersetzungen gegeben. Die h\u00e4uften sich w\u00e4hrend der Revolution. Allerdings sind viele dieser zum Teil verheerenden Zusammenst\u00f6\u00dfe auf Schergen des alten Systems zur\u00fcckzuf\u00fchren, die alles, aber auch alles daf\u00fcr tun, das Land zu destabilisieren. Auf der anderen Seite haben Moslems w\u00e4hrend er Revolution die Kopten bei ihrer Sonntagsmesse auf den Tahrir besch\u00fctzt, so wie es die Kopten w\u00e4hrend es Freitagsgebets auf dem Platz der Befreiung taten.<\/p>\n<p>Der verstorbene Papst Schenuda hatte an seine Glaubensbr\u00fcder appelliert, sich nicht an den Demonstrationen zu beteiligen. Er st\u00fctzte l\u00e4nger als andere den gescheiterten Diktator Mubarak. Allerdings hatten sich ja auch die Moslembr\u00fcder lange vornehm zur\u00fcckgehalten.\u00a0Schenuda hingegen hatte durchaus einen Grund, Mubarak etwas l\u00e4nger zu st\u00fctzen. Zum einen f\u00fcrchtete er eine islamistische Regierung, die Mubarak nachfolgen k\u00f6nnte, zum anderen erinnerte er sich nat\u00fcrlich noch an die Zeit unter Gamal Abdel Nasser, als Kopten drangsaliert wurden.<\/p>\n<p>Die Schikanen des Pr\u00e4sidenten Nasser hatten allerdings nichts mit der Religion, sondern vielmehr mit der &#8222;Klasse&#8220; zu tun. Kopten sind im Vergleich zu Moslems im Durchschnitt besser gebildet und wohlhabender. Die reichste \u00e4gyptische Familie ist eine koptische. Der Bauunternehmer Onsi Sawiris wurde in der 50er Jahren von Nasser im Zuge des &#8222;arabischen Sozialismus&#8220; enteignet, kehrte 1972 aus dem Exil nach \u00c4gypten zur\u00fcck und machte dann ein Milliardenverm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Sein Sohn Naguib ist heute eine der einflussreichen Personen in der \u00e4gyptischen Politik &ndash; und immer wieder Zielscheibe islamistischer Kritiker, wobei er selbst durchaus auch austeilen kann, wie eine von ihm verbreitete Karikatur von Disneyfiguren in islamistischer Aufmachung beweist. Er handelte sich damit eine Fatwa und ein Gerichtsverfahren ein, bei dem er aber freigesprochen wurde.<\/p>\n<p>Naguibs Bruder Samih zeigt in der von ihm erbauten Stadt El Gouna, wie es gehen sollte. Da steht die Kirche neben der Moschee, und er achtet auf ein gedeihliches Miteinander. Trotzdem ist auch er voller Skepsis, was die Zukunft betrifft. Als die F\u00fchrung der Moslembr\u00fcder zum ersten Mal offiziell das koptische Neujahrsfest besuchte, bewertete er das als &#8222;Show&#8220;. Ein wenig sarkastisch f\u00fcgte er hinzu: &#8222;Aber rausschmei\u00dfen k\u00f6nnen sie uns nicht. Wir sind hier die Ureinwohner.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Papst ist tot &ndash; nicht der in Rom, sondern der Patriarch von Alexandrien, Schenuda III. 88 Jahre alt ist er geworden. 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