{"id":258,"date":"2012-03-14T15:23:07","date_gmt":"2012-03-14T14:23:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=258"},"modified":"2012-03-14T15:23:07","modified_gmt":"2012-03-14T14:23:07","slug":"wahre-freunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/03\/14\/wahre-freunde\/","title":{"rendered":"Wahre Freunde"},"content":{"rendered":"<p>Dass es l\u00e4nger keinen Blogeintrag auf dieser Seite gab, hat drei Gr\u00fcnde. Der f\u00fcr mich angenehmste war, dass wir eine Woche im tschechischen Spindlerm\u00fchle beim Skifahren waren. Der Zweite: ich musste das Manuskript nun \u00fcberarbeiten und korrigieren. Heute kommt es ins Lektorat. Und der letzte Punkt: Ich musste vieles jetzt erst einmal sacken lassen.<\/p>\n<div id=\"attachment_259\" style=\"width: 295px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Strand.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-259\" class=\"size-medium wp-image-259\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Strand-285x300.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Strand-285x300.jpg 285w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Strand-150x158.jpg 150w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Strand-225x236.jpg 225w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Strand.jpg 549w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-259\" class=\"wp-caption-text\">Idyll mit Fragezeichen<\/p><\/div>\n<p>Vorgestern jedoch hatte ich ein langes Gespr\u00e4ch mit einem alten Bekannten, der einen ganz \u00e4hnlichen \u00c4gypten-Hintergrund hat wie ich. Es ging dabei um die Frage, wie die Zukunft der Europ\u00e4er in Hurghada aussieht. Viele von den Betroffenen sehen sie alles andere als rosig. In diesem Gespr\u00e4ch berichtete der Bekannte von einem Europ\u00e4er in Hurghada, der dort seit 25 Jahren lebt und arbeitet und heute sage, er habe unter den \u00c4gyptern keinen einzigen Freund gefunden. Ich war im ersten Moment ein wenig schockiert, habe mir aber lange Gedanken dar\u00fcber gemacht.<\/p>\n<p>Ohne mir da jetzt ein gro\u00dfes Urteil anma\u00dfen zu wollen, so scheint mir das gar nicht so ungew\u00f6hnlich zu sein. Aller Freundlichkeit und Gastfreundschaft zum Trotz, scheinen wahre Freundschaften zwischen Europ\u00e4ern und \u00c4gyptern doch eher ungew\u00f6hnlich zu sein. Nat\u00fcrlich habe ich mich gefragt, woher das denn kommt und bin f\u00fcr mich zu einem h\u00f6chst \u00fcberraschenden Ergebnis gelangt. Ich glaube, es liegt daran, dass die \u00e4gyptische Gesellschaft streng strukturkonservativ ist. Selbst liberale, weltoffene und progressive \u00c4gypter unterliegen diesem Strukturkonservatismus. Das hei\u00dft ja per se nichts schlechtes. So beinhaltet der Begriff auch gutes Benehmen, H\u00f6flichkeit und Respekt dem anderen Gegen\u00fcber, der sich er sehr stark im formalen Umgang miteinander zeigt. Er zeigt sich aber auch in einer sehr stark hierarchisch gegliederten Gesellschaft. Die bei uns so gerne zitierte &#8222;Augenh\u00f6he&#8220; gibt es in der \u00e4gyptischen Gesellschaft kaum. Jeder hat eigentlich seinen Platz in der Rangordnung.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite sind da die Europ\u00e4er, die vor 25 oder 20 Jahren ans Rote Meer kamen. Wer sich als Tauch- oder Surflehrer, Reiseleiter, Animateur, Gastronom oder anderweitig hier niedergelassen hatte, war ja aus europ\u00e4ischer Sicht schon soetwas wie ein Aussteiger. Bei manchen stimmte die Einordnung sicher, bei anderen nicht. Aber eines ist klar, die Grundhaltung der allermeisten, die in das Land kamen, war eher informell als f\u00f6rmlich. Und nat\u00fcrlich wollte man dem Gegen\u00fcber auf Augenh\u00f6he begegnen. Niemand kam ja als Kolonialist oder wollte sich gar dem Vorwurf des Rassismus aussetzen. F\u00fcr jemanden, der gewohnt ist, nur in Hierarchien zu denken, mag ein so legeres Verhalten wohl eher befremdlich wirken.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen aus solch unterschiedlichen kulturellen Voraussetzungen tats\u00e4chlich wahre Freundschaften erwachsen? Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man an dieser Stelle trefflich \u00fcber die Freundschaft an sich diskutieren. Doch in diesem Fall ist es ja vielleicht auch nur eine Frage der Definition. Was f\u00fcr den einen nur oberfl\u00e4chliches Gepl\u00e4nkel ist, bedeutet f\u00fcr den anderen schon tiefe Freundschaft.<\/p>\n<p>Immerhin kann dieses Nachdenken \u00fcber das zwischenmenschliche Miteinander auch dazu beitragen, zu verstehen, was in dem Land gerade passiert. Da hat ja nicht nur ein politisches System abgewirtschaftet, da wird auch die Struktur der Gesellschaft massiv in Frage gestellt. Die Ver\u00e4nderung der Landes f\u00fchrt leider auch dazu, dass manche Werte wegbrechen, die gerade die Europ\u00e4er in \u00c4gypten sehr gesch\u00e4tzt haben.<\/p>\n<p>\u00c4gypten wird nicht mehr das Land sein, das es vor der Revolution war, wenn die ganze Transformation erst einmal abgeschlossen ist. Das gilt auch f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen \u00c4gyptern und Ausl\u00e4ndern. Immerhin wollen beide, dass \u00c4gypten ein beliebtes und attraktives Urlaubsziel bleibt. Deshalb werden sie auch in Zukunft an einem Strang ziehen. Die Gesch\u00e4ftsgrundlagen werden allerdings wohl neu ausgehandelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass es l\u00e4nger keinen Blogeintrag auf dieser Seite gab, hat drei Gr\u00fcnde. 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