{"id":217,"date":"2012-02-06T15:48:22","date_gmt":"2012-02-06T14:48:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=217"},"modified":"2012-02-06T15:48:22","modified_gmt":"2012-02-06T14:48:22","slug":"der-schatten-im-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/02\/06\/der-schatten-im-osten\/","title":{"rendered":"Der Schatten im Osten"},"content":{"rendered":"<p>Die Katastrophe von Port Said ist noch keine Woche her, da ist sie in Deutschland schon wieder vergessen. H\u00e4tte nicht ausgerechnet Mohamed Zidan, als R\u00fcckkehrer zu Mainz 05 am Wochenende das 1:0 f\u00fcr seine Mannschaft bei Schalke 04 geschossen, w\u00e4re die Trag\u00f6die hier zu Lande noch schneller untergegangen. Zidan hat ausgerechnet bei El Masry das Fu\u00dfballspielen gelernt und das Tor den Opfern von Port Said gewidmet.<\/p>\n<div id=\"attachment_218\" style=\"width: 167px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tsp.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-218\" class=\"size-medium wp-image-218\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tsp-157x300.jpg\" alt=\"\" width=\"157\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tsp-157x300.jpg 157w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tsp-537x1024.jpg 537w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tsp-150x286.jpg 150w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tsp-225x429.jpg 225w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/tsp.jpg 806w\" sizes=\"auto, (max-width: 157px) 100vw, 157px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-218\" class=\"wp-caption-text\">Tagesspiegel vom 5. Februar 2012<\/p><\/div>\n<p>Dass das Aufbegehren in Kairo und anderen St\u00e4dten gegen den Milit\u00e4rrat unvermindert weiter geht, erf\u00e4hrt nur, wer sich wirklich interessiert. Im Moment steht Syrien viel mehr im Blickpunkt, und das ist nat\u00fcrlich im deutschen Mainstream-Journalismus, wo das Body-Counting, also das Z\u00e4hlen von Leichen, keine unerhebliche Rolle spielt, viel ergiebiger. Zynisch k\u00f6nnte man ja sagen, dass das ja ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr \u00c4gypten ist, denn dann kommen vielleicht doch wieder mehr Touristen ins Land. Das ist dann leider doch ein Irrtum. Der Schatten, der da im Osten auf die Region f\u00e4llt, verdunkelt auch die Str\u00e4nde am Roten Meer. Manch einer sagt sich: &#8222;Wenn&#8217;s in Libyen einen B\u00fcrgerkrieg gab und jetzt in Syrien einen gibt, dann k\u00f6nnte es doch auch in \u00c4ygpten&#8230;&#8220; Genau das ist der Fluch der undifferenzierten Berichterstattung. Ich habe <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/weltspiegel\/reise\/tourismus-wird-so-bleiben-gewerkschaft-der-fremdenfuehrer-am-roten-meer-gibt-sich-optimistisch\/6148388.html\" target=\"_blank\">mit einem Artikel im Tagesspiegel<\/a> versucht, ein wenig f\u00fcr Aufkl\u00e4rung zu sorgen. Mein Gew\u00e4hrsmann ist dabei Mazen Okasha, Chef der Fremdenf\u00fchrergewerkschaft am Roten Meer. Der wei\u00df nun wirklich, von was er spricht.<\/p>\n<p>Also w\u00e4re ich jetzt \u00c4gypter und m\u00fcsste mir mein Geld im Tourismus am Roten Meer verdienen, ich glaube ich w\u00fcrde einfach mal \u00fcberschnappen. Die inzwischen wichtigste Touristengruppe, n\u00e4mlich &#8211; nein, nicht etwa die Deutschen sondern die Russen, kommt nicht mehr ins Land, weil die Regierung angeblich massiv Propaganda gegen Urlaub in \u00c4gypten macht. Grund sind die ersten einigerma\u00dfen freien und fairen Wahlen seit Jahrzehnten. Das k\u00f6nnten russische \u00c4gyptentouristen ja auf dumme Gedanken kommen, wenn sie wieder zu Hause sind.<\/p>\n<p>Die zweitwichtigste Touristengruppe sind die Deutschen. Da findet die Regierung es jetzt ja ganz toll, dass es diese Revolution gibt und dass das alles bald viel demokratischer und freiheitlicher wird, als zuvor. Aber niemand k\u00e4me nat\u00fcrlich auf den Gedanken, dass es im Sinne von Freiheitlichkeit und Demokratie gerade jetzt eine sehr gute Idee w\u00e4re, in das Land zu fliegen und dort Urlaub zu machen. Das h\u00f6chte der Gef\u00fchle ist, dass f\u00fcr die Urlaubsgebiete am Roten Meer <strong>keine<\/strong> explizite Reisewarnung ausgesprochen wurde.<\/p>\n<p>Ich habe auf Facebook gesehen, dass einige meiner \u00e4gyptischen Freunde derzeit immer wieder gefragt werden, ob es denn sicher sei, in das Land zu reisen. Ich will es mal so ausdr\u00fccken. In wenigen Wochen ist Karneval &#8211; auch in Rio. Der lockt, wie jedes Jahr, auch viele Tausende Touristen an den Zuckerhut. Gerne w\u00fcrde ich mir mal den Spa\u00df machen, sie alle zu fragen, ob sie auf Grund der besseren Sicherheitslage nicht lieber zum Beispiel nach Hurghada fliegen wollten. Sind wir doch mal ganz ehrlich. Rio ist ein wahnsinnig gef\u00e4hrliches Pflaster und die Gefahr, als Tourist ausgeraubt oder ermordet zu werden liegt sch\u00e4tzungsweise um den Faktor 100 h\u00f6her &#8211; wenn es reicht.<\/p>\n<p>\u00c4gypten hat derzeit sicherlich ganz viele und ganz gro\u00dfe Probleme. Doch die Objekte der Furcht deutscher Touristen geh\u00f6ren eindeutig nicht dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Katastrophe von Port Said ist noch keine Woche her, da ist sie in Deutschland schon wieder vergessen. 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