{"id":164,"date":"2012-01-26T17:58:05","date_gmt":"2012-01-26T16:58:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=164"},"modified":"2012-01-26T17:58:05","modified_gmt":"2012-01-26T16:58:05","slug":"hauptsache-geschrieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/01\/26\/hauptsache-geschrieben\/","title":{"rendered":"Hauptsache geschrieben"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal ist es ja wirklich zum aus der Haut fahren. Da gibt man sich noch immer der Illusion hin, dass Bl\u00e4tter wie &#8222;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/fernweh\/0,1518,811317,00.html\" target=\"_blank\">Der Spiegel<\/a>&#8220; oder die &#8222;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/reise\/aegypten-touristen-bleiben-weiterhin-aus-preis-der-revolution-1.1266647\" target=\"_blank\">S\u00fcddeutsche Zeitung<\/a>&#8220; so etwas wie Qualit\u00e4tsjournalismus vertreten. Erstaunlicherweise war in den Online-Ausgaben beider Bl\u00e4tter am Mittwoch &#8211; passend zum Jahrestag der Revolution &#8211; ein Beitrag zum Thema darbender Tourismus in \u00c4gypten. Dass es sich um einen dpa-Bericht von Annette Reuther handelte &#8211; nun ja, geschenkt. Warum sollen Spiegel und SZ nicht auch mal eine Reportage bei der Agentur kaufen d\u00fcrfen? Aber doch bitte nicht so etwas!<\/p>\n<div id=\"attachment_170\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Klimatabelle-Luxor.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-170\" class=\"size-medium wp-image-170\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Klimatabelle-Luxor-300x205.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"205\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-170\" class=\"wp-caption-text\">Auch in Luxor war im Januar von Hitze keine Spur<\/p><\/div>\n<p>Da erkl\u00e4rt die Autorin den Januar zur Hochsaison, in der in Luxor &#8222;Touristenbusse Menschenmassen im Sekundentakt ausspucken.&#8220; Aha. Schon wieder was gelernt. Ich war vielleicht f\u00fcnf bis zehn mal im Januar in \u00c4gypten. Selbst ohne Terror und Revolution ist die Zeit zwischen Mitte Januar und Ende Februar die touristen\u00e4rmste. Doch die paar versprengten\u00a0 Touristen, die laut Frau Reuther durch Luxors Ruinen irren, m\u00fcssen auch noch leiden: &#8222;Auch am Tempel von Hatschepsut schleppen sich nur ein paar japanische Touristen in der Hitze die Treppen zu dem kolossalen Geb\u00e4ude hoch.&#8220; Soso, Hitze! In \u00c4gypten klagen die Menschen derzeit \u00fcber den k\u00e4ltesten Winter seit 20 Jahren. In Alexandria ist Schnee gefallen, auf dem Sinai ist das Katharinen-Kloster von Schnee bedeckt. In Luxor d\u00fcrfte nachts einfach mal der Gefrierpunkt erreicht worden sein. In der Sonne wird&#8217;s dann w\u00e4rmer. Ein wenig \u00fcber 20 Grad. Oh, mein Gott, wenn das Hitze ist, was macht dann Frau Reuther im Juli im Tal der K\u00f6nige, wenn es fast 50\u00b0 C im Schatten hat &#8211; allerdings gibt es dort keinen Schatten. Das ist Hitze!!!<\/p>\n<p>Sie scheint ja ziemlich gute Gesch\u00e4fte gemacht zu haben, denn sie zitiert auch noch H\u00e4ndler, die ihre Waren nun zu Revolutionspreisen verramschen. Passt auch alles sch\u00f6n ins Klischee-Bild. In Hurghada haben mir mindestens zwei Taxifahrer ihre \u00fcberh\u00f6hten Preise mit dem eklatanten Mangel an Touristen erkl\u00e4rt. Die kamen nicht einmal im Traum auf die Idee Revolutions-Sonderangebote zu machen, weil das Gesch\u00e4ft so mies l\u00e4uft. Das Ph\u00e4nomen der steigenden Preise bei fallenden Touristenzahlen habe ich \u00fcbrigens auch schon fr\u00fcher in \u00c4gypten beobachtet. Sorry, Frau Reuther, aber bei den Revolutionsschn\u00e4ppchen bin ich ebenso skeptisch wie bei der gro\u00dfen Hitze im Tal der K\u00f6nige und dem Urlauber-Boom der normalerweise im Januar Luxor \u00fcberrollt.<\/p>\n<p>Doch dann kam der Satz, der mich so richtig sauer gemacht hat: &#8222;Der Sieg der Islamisten und Berichte, wonach in \u00c4gypten eine Religionspolizei nach saudischem Vorbild und ein Bikini-Verbot eingef\u00fchrt werden sollen, d\u00fcrften die Reisenden weiter eher skeptisch stimmen.&#8220; Da spricht nun die wahre Expertin. Also f\u00fcr alle zum Mitschreiben: Es wird in \u00c4gypten weder ein Bikiniverbot, noch ein Alkoholverbot, noch getrennte Str\u00e4nde oder eine Religionspolizei geben. Das haben die Moslembr\u00fcder ganz klar ausgeschlossen, weil sie selbst wissen, wie dringend sie das Geld aus dem Tourismus brauchen. Selbst bei der salafistischen Partei &#8222;El Nour&#8220; hat es noch keinen einzigen Politiker gegeben, der solche Forderungen aufgestellt hat. Sie kommen nur von Salafisten nahestehenden Sheiks oder Imamen. Einer von ihnen hat sogar gefordert, dass Frauen auf dem Markt keine Bananen und keine Gurken mehr kaufen d\u00fcrfen. Mann, hat der eine schmutzige Fantasie. Aber er ist jetzt auch in ganz \u00c4gypten eine Lachnummer.<\/p>\n<p>Ob der detailgenauen Beschreibung sind zumindest Zweifel erlaubt, ob diese Frau im Januar tas\u00e4chlich in \u00c4gypten war. Wenn sie wirklich dort war, dann handelt es sich &#8222;nur&#8220; um schlechten Journalismus. War sie nicht dort, w\u00e4re die Geschichte gefaket und der Presserat sollte sich damit auseinandersetzen. Das Land hat wirklich schon Probleme genug. Da braucht es nicht noch solche Artikel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal ist es ja wirklich zum aus der Haut fahren. 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