{"id":120,"date":"2012-01-14T21:08:37","date_gmt":"2012-01-14T20:08:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=120"},"modified":"2012-01-14T21:08:37","modified_gmt":"2012-01-14T20:08:37","slug":"auf-hoher-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/01\/14\/auf-hoher-see\/","title":{"rendered":"Auf hoher See&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich ist es schon ein seltsames Ph\u00e4nomen. In kaum einem Land ist der Tourismus \u00e4lter als in \u00c4gypten. Immerhin hat schon Herodot auf die Pyramiden als Sehensw\u00fcrdigkeit hingewiesen. Aber der Massentourismus, der nun so viel Geld ins Land bringt, dass ganz \u00c4gypten am Tropf des Fremdenverkehrs h\u00e4ngt, ist gerade mal etwa 25 Jahre alt. Und dass es \u00fcberhaupt dazu kam, hat \u00c4gypten einer ganz bestimmten Klientel zu verdanken. Die ersten, die mit Kamelen, Jeeps und Unimogs ans Rote Meer pilgerten, waren Taucher. F\u00fcr die wurden erst Zeltpl\u00e4tze, dann ein paar Baracken und schlie\u00dflich kleine Hotels errichtet. Kaum standen die Hotels, brachten die ersten Taucher ihre Familien mit. Die nichttauchenden Familienmitglieder fanden die unber\u00fchrten Str\u00e4nde ganz toll &ndash; und so nach und nach kamen die ersten Urlauber, die nur der Str\u00e4nde wegen kamen. Und so wuchsen, ja wucherten die Hotels am Roten Meer.<\/p>\n<p>Inzwischen machen in normalen Zeiten die Taucher in Hurghada nur noch etwas mehr als zehn Prozent der Touristen aus. Aktuell sind es aber \u00fcber 30 Prozent. Und so war es auch in der Vergangenheit. Ich kam 1991 drei Monate nach dem Golfkrieg zum ersten Mal nach Hurghada. Strandtouristen gab es praktisch keine, aber die Tauchboote waren voll. Tats\u00e4chlich haben sich Taucher in all den Jahren nie von irgendwelchen Krisen und Katastrophen abhalten lassen. Nat\u00fcrlich gehen auch die Taucherzahlen in diesen Zeiten zur\u00fcck. Sie brechen aber nie so dramatisch ein, wie die der &#8222;normalen&#8220; Urlauber. Sie sind strukturell die wichtigste Urlaubergruppe geblieben und sie haben den Fremdenverkehr immer wieder \u00fcber manche Krisenzeiten gerettet.<\/p>\n<div id=\"attachment_121\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Giftun.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-121\" class=\"size-medium wp-image-121\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Giftun-300x223.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"223\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-121\" class=\"wp-caption-text\">Klein Giftun (rechts)<\/p><\/div>\n<p>Ich war heute zwischen den Giftuninseln tauchen. Nun geh\u00f6rt Sha&#8217;ab Dorfa nicht gerade zu meinen Lieblingspl\u00e4tzen. Aber zwei gro\u00dfe Napoleons und zwei \u00fcppige Schildkr\u00f6ten machen auch solch einen Platz zu einem sch\u00f6nen Erlebnis, \u00fcber das dann an Bord lang und ausdauernd geredet wird. Die Revolution war weit, weit weg &ndash; wie eigentlich immer an Bord. Da geht es eigentlich nie um Politik, sondern nur ums Tauchen. Das Boot und das Meer bieten eine gewisse Sicherheit vor all den Unbilden an Land. Selbst die \u00e4gyptische Besatzung ver\u00e4ndert sich komplett. Vor dem Ablegen wurde ich noch Zeuge einer hitzigen politischen Diskussion zwischen unserem Kompressorchef Mustafa und dem Kaptain unseres Bootes. Das einzige, was ich verstand, war immer wieder der Name Mubarak. Kaum hatte das Boot abgelegt, wurde die Stimmung viel entspannter und lustiger. Umgekehrt funktioniert es allerdings auch. Kaum sind alle wieder wohlbehalten an Land, drehen sich die Diskussionen beim Dekobier um Politik, Revolution und die Auswirkungen auf den Tourismus.<\/p>\n<p>Andreas war heute noch besonders emp\u00f6rt, \u00fcber das, was ihm vor einem Jahr passierte, als er zum Tauchen nach Hurghada fliegen wollte. &#8222;Vier Tage vor Abflug ruft das Reiseb\u00fcro an und erkl\u00e4rt mir, dass meine Reise storniert worden sei&#8230;&#8220; Es h\u00e4tte ihn dann kurzerhand auf ein anderes Ziel umgebucht. &#8222;Ich musste dann nach Teneriffa&#8220;, erz\u00e4hlte er angewidert. Das Mitgef\u00fchl aller anderer Taucher war ihm sicher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich ist es schon ein seltsames Ph\u00e4nomen. In kaum einem Land ist der Tourismus \u00e4lter als in \u00c4gypten. Immerhin hat schon Herodot auf die Pyramiden als Sehensw\u00fcrdigkeit hingewiesen. 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