{"id":104,"date":"2012-01-10T15:05:37","date_gmt":"2012-01-10T14:05:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/?p=104"},"modified":"2012-01-10T15:05:37","modified_gmt":"2012-01-10T14:05:37","slug":"die-wuste-lebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/2012\/01\/10\/die-wuste-lebt\/","title":{"rendered":"Die W\u00fcste lebt"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_105\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Senzo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105\" src=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Senzo-300x225.jpg\" alt=\"\" title=\"Senzo\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"size-medium wp-image-105\" srcset=\"https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Senzo-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Senzo-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Senzo-225x169.jpg 225w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Senzo-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.carpathia-verlag.de\/koulou-tamam\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Senzo.jpg 648w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-105\" class=\"wp-caption-text\">Kleiner Kulturschock im Nirgendwo: Ein riesiges Einkaufszentrum mitten in der W\u00fcste<\/p><\/div>\n<p>So kann sich der Mensch irren. Ich dachte tats\u00e4chlich, dass mich &ndash; zumindest hier in Hurghada &ndash; nichts mehr schocken kann. Doch dann rief mich Barbara kurz nach zw\u00f6lf an und meinte, sich solle mit ins Senzo-Center fahren. Wir fuhren los und fuhren und fuhren &ndash; in Richtung S\u00fcden. Gef\u00fchlt auf dem halben Weg nach Safaga standen wir pl\u00f6tzlich vor einem riesigen Einkaufscenter (Grundfl\u00e4che sch\u00e4tzungsweise 30.000 qm) &ndash; mitten in der W\u00fcste. Nach erfolgreichem Einkauf kamen wir dann so ein wenig ins Gr\u00fcbeln. Das amerikanische Schnellrestaurant mit dem gro\u00dfen gelben M war der Anlass. Im Januar 1995 hatte ich einen Interviewtermin in Kairo. Ich flog morgens hin und nachmittags zur\u00fcck. Mein Basisleiter sch\u00e4rfte mir ein, dringend zwei, drei oder vier Hamburger von McDonalds mitzubringen. Auf dem R\u00fcckweg hatte ich eine T\u00fcte auf dem Scho\u00df, die mir bis zur Stirn reichte, sie war voll mit allen m\u00f6glichen Produkten von MacD. Ich d\u00fcrfte einen reichlich albernen Anblick geboten haben. Meinem Basisleiter Peter D. trieb es jedenfalls die Tr\u00e4nen in die Augen, als er die T\u00fcte sah. Das ganze Zeug kam in die Mikrowelle und wir haben gespachtelt, bis keiner von uns mehr &#8222;papp&#8220; sagen konnte. Dann klopfte es an der T\u00fcr. Kollege Joe kam vom Heimturlaub aus dem Allg\u00e4u zur\u00fcck und hatte offenbar die elterliche Metzgerei ausgepl\u00fcndert. Jedenfalls lud er uns zum Schlachtplatte essen ein. Im gleichen Jahr machte der erste McDonalds in Hurghada auf.<\/p>\n<p>McDonalds ist f\u00fcr die meisten \u00c4gypter unerschwinglich. In den zahlreichen Shops in der Senzo-Mall k\u00f6nnen auch die wenigsten \u00c4gypter einkaufen, denn die supertollen westlichen Marken sind hier sogar noch teurer als in Europa.<\/p>\n<p>Vor zwanzig Jahren war der Flughafen in Hurghada eine Luftwaffenbasis, die mehr oder weniger unzureichend f\u00fcr die paar Charterflugzeuge zurechtgezimmert worden war, die da innerhalb von einer Woche landeten. Inzwischen soll der Airport der drittverkehrsreichste Afrikas sein (nach Kairo und Nairobi), was ich pers\u00f6nlich allerdings kaum glauben kann. Im Moment ist er es sicher nicht. Als ich vor einer Woche ankam, standen gerade sechs Maschinen da. Fr\u00fcher w\u00e4re der Flughafen v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt gewesen. Heute wirkt er damit fast wie ausgestorben. Trotzdem wird gerade unter Hochdruck an einer enormen Erweiterung gearbeitet. Die wird auch dringend notwendig sein, wenn sich hier alles wieder normalisiert.<\/p>\n<p>Mit der Erweiterung der Flughafens wird es nat\u00fcrlich noch mehr Hotels und noch mehr Markenshops geben &ndash; und damit noch mehr Dinge, an denen der normale \u00c4gypter gar nicht partizipieren kann. Im Sommer, so erz\u00e4hlt Thomas, sei die Senzo-Mall inzwischen der Treffpunkt junger \u00c4gypter, die freilich nichts einkaufen k\u00f6nnen. Aber die vollklimatisierte Mall mit ihren Spielhallen und \u00fcberdachten Freizeitparks ist bei 40 Grad im Schatten ein sehr angenehmer Platz, um einfach abzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Hat die Revolution vielleicht auch damit zu tun, dass die jungen \u00c4gypter an diesem offenkundigen Luxus f\u00fcr die Urlauber nun ebenfalls teilhaben wollen? Diese Entwicklungen gibt es doch nicht nur in Hurghada oder Sharm el Sheik, sondern auch in Kairo oder Alexandria. Nat\u00fcrlich hatte das Volk vor einem Jahr von Mubarak einfach mal die Nase voll. Doch vielleicht verbinden viele junge \u00c4gypter mit der Revolution auch ganz einfach nur den Wunsch, nicht mehr nur vor den Schaufenstern der L\u00e4den zu stehen, sondern dort irgendwann mal selbst einkaufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So kann sich der Mensch irren. Ich dachte tats\u00e4chlich, dass mich &ndash; zumindest hier in Hurghada &ndash; nichts mehr schocken kann. Doch dann rief mich Barbara kurz nach zw\u00f6lf an und meinte, sich solle mit ins Senzo-Center fahren. 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